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Luchs-Familie liegt in Waldstück in Deutschland
lukaszemanphoto/ Shutterstock.com

Tierisch gut dieses Deutschland

Wer hätte das gedacht, dass Flamingos in Deutschland im Wasser stehen, Elche über Weiden streifen, Papageien sich lautstark unterhalten … ja, viele seltene Tierarten erholen sich auch in Deutschland. Der Wolf ist zurück, die Kegelrobben genießen die Sandbänke Helgolands und auch der Seeadler, der fast ausgestorben war, ist am Himmel – mit viel Glück – sichtbar. Wir zeigen euch, welche Wildtiere ihr wo und wie vorsichtig beobachten könnt. Eine kleine Safari durch das exotische Deutschland.

Nanu, Nandu!

Der Nandu ist eigentlich in Südamerika heimisch. Und zwar alle drei Arten. Jedoch – Überraschung – gibt es auch eine Population in Deutschland. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts sind drei Männchen und vier Weibchen nahe Lübeck entlaufen. Einfangen zwecklos. Also vermehrten sie sich fröhlich in freier Wildbahn. Deswegen sollte man definitiv nicht überrascht sein, wenn man in den Flussauen der Wakenitz (Schleswig-Holstein) einem der 600 Tiere begegnet.

Go Flamingo go!

Etwa eine Stunde von Münster entfernt liegt das Zwillbrocker Venn. Ein Vogelparadies. Es gilt nicht nur als größte binnenländische Lachmöwenkolonie Deutschlands mit etwa 16.000 Tieren. Es ist auch die Heimat eines Vogels, den wir eher aus der Karibik kennen. Doch in der Tat ist das Feuchtgebiet an der niederländischen Grenze der nördlichste Brutplatz für Flamingos weltweit. Der Bestand ist familiär – also etwa 40 Tiere. Während die Möwen ganzjährig im Zwillbrocker Venn zu finden sind, zieht es die Flamingos in den Wintermonaten ins südwestliche Holland.

Rosa Flamingos im Münsterland
Juan Camilo Guarin

Achtung, Wildpferd

Ganz in der Nähe der Flamingos befindet sich ebenfalls diese Sensation: das Dülmener Wildpferd. Es ist eine Ponyrasse, die überwiegend in Dülmen in Westfalen, im Merfelder Bruch, einem rund 350 Hektar großen Naturschutzgebiet, lebt. In dem auch als Wildpferdebahn bezeichneten, eingefriedeten Gebiet leben etwa 300 bis 400 Pferde weitgehend unbeeinflusst vom Menschen. Die letzte Wildpferdeherde Europas kann auch besucht werden. Allerdings nur am Wochenende. Von Montag bis Freitag genießen die Tiere eine himmlische Ruhe.

Die letzten Wildpferde in Europa leben in Dülmen, Deutschland. Sie haben 350 Hektar Rückzugsgebiet, können aber an den Wochenenden auf einer großen Wiese gesehen werden.
Trembich Moving Moments/ Shutterstock.com

Wow, Wisent

Das gibt es doch nicht? Im Rothaargebirge, einem Mittelgebirge zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen, grasen freilebende Wisente. Das ist einzigartig in ganz Westeuropa! Dank eines Artenschutzprogramms, initiiert von engagierten Bürgern, ist der größte Landsäuger Europas in freier Natur in Deutschland wieder heimisch. 2013 entließ eine Auswilderungsstation eine Gruppe Flachlandwisente, die sich nun in der freien Natur rund um das südwestfälische Bad Berleburg wohl fühlen und sich vermehren. Immerhin ist der Wildbestand mittlerweile auf 20 bis 30 Tiere angewachsen. Wer den Rothaarsteig wandert, hat eine Chance, sie zu entdecken. Eine Alternative wäre die Wisent Welt Wittgenstein. Dort wartet ein Schaugehege mit acht Wisenten.

Ich glaub, es lugt ein Luchs …

Ein Zusammentreffen in freier Wildbahn ist noch immer unwahrscheinlich. Und auch nicht nötig, aber mittlerweile wahrscheinlicher, denn fast unbemerkt ist der scheue Luchs nach Deutschland zurückgekehrt. Dort hat er es sich im Harz sowie im Bayerischen Wald gemütlich gemacht. Wie viele sich mittlerweile dort verstecken, kann nur geschätzt werden. Denn der Bewegungsradius einer Wildkatze ist sehr groß. Uns freut, dass der Luchs wieder da ist, nachdem der letzte einst 1819 im Thüringer Wald erlegt wurde.

Profil des Eurasischen Luchses (Lynx lynx). Nahaufnahme des Kopfes eines Luchses. Bayerischer Wald, Deutschland.
VasekM/ Shutterstock.com

Bei denen piepst es wohl  

In Köln gehören die grüngefiederten Halsbandsittiche, auch kleiner Alexandersittich genannt, zum Stadtbild in der Altstadt. Besonders am Abend, wenn sich die Vögel an den Bäumen hinter dem Maritim-Hotel versammeln – oder aber vor dem Gasthaus »Zum Roten Ochsen«. Doch was macht die weitverbreitete Papageienart, die in Afrika südlich der Sahara als auch in Asien, beginnend mit Pakistan und Indien, vorkommt, mitten in der Kölner Großstadt?

Wildtiere in Deutschland gibt es in Köln zu sehen. Hier sieht man einen Halsbandsittich
Andre Trabandt/ Shutterstock.com

In den 1960er-Jahren, so sagt man, seien ein paar Halsbandsittiche einem Zoohändler in Köln entfleucht. Zu ihnen haben sich ein paar Vögel aus der Gefangenschaft gesellt – denn so sagen die Ornithologen – diese Art Papagei eignet sich nicht besonders zur Käfighaltung. Dafür kann man sie ja nun gemeinsam an der Rheinpromenade am Abend in Bäumen schlummern sehen.

Wirklich wild, die Wildkatze

Eins vorweg: Eine Wildkatze ist kein Schmusetier – auch wenn sie unserer Hauskatze zum Verwechseln ähnlich sieht. Wildkatzen jedoch lassen sich nicht zähmen! Die kleinen Räuber mit dem buschigen Schwanz waren früher in Deutschland und Europa weit verbreitet. Heute jedoch sind ihre Rückzugsgebiete auf ein Minimum geschrumpft. Rund 40 Katzen (Anzahl aus dem Jahr 2017) streifen durch den Hainich. Und das überwiegend nachts. Hier finden die Wildkatzen alles, was ihnen in anderen Regionen fehlt: ausgedehnte Wälder, kleine Lichtungen und im Wald verborgene Wiesen. Ein großes Jagdrevier also, mit hohlen Bäumen zum Verstecken und ungestörten Plätzen im Gebüsch. Wer also im Nationalpark Hainich, in Thüringen, auf Spurensuche geht, der sollte vorsichtig die Augen aufhalten und dem Reiz widerstehen, das Kätzchen streicheln zu wollen. 

Wildkatze zeigt ihre Zähne
Alan Tunnicliffe/ Shutterstock.com

Oha – ein Elch

Auch der Elch ist zurück in Deutschland. Ganz offiziell. Im Sommer 2020 wurde in Brandenburg tatsächlich ein Autoverkehrsschild – also ein Warnschild – aufgestellt, das einen Elch zeigt. Denn in Brandenburg haben sich mittlerweile mehrere Tiere niedergelassen. Doch wo genau man die nordischen Riesen bewundern kann, können wir nicht verraten, weil wir es nicht so genau wissen. Nur eins: Das Warnschild ist für den Elch Bert. Ein Elchbulle, der aus Polen nach Deutschland kam und eine ganz besondere Vorliebe hat. Er gesellt sich gerne zu den Kühen. Das ist ungewöhnlich, da Elche lieber für sich bleiben. Bert jedoch möchte Gesellschaft, und zwar eine, die muht.

Ursprünglich war der Elch, übrigens Europas größtes landlebendes Säugetier, auch in Deutschland beheimatet. Zwischenzeitlich war er jedoch ausgestorben. Doch nun kehren die Elche nach und nach zurück. Gerade Autofahrer sollten deshalb vorsichtig sein. Aber glücklicherweise hat Brandenburg jetzt ja ein Schild.

Für mehr Informationen können wir die wunderbare Webseite der Deutschen Wildtier Stiftung empfehlen. 

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