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Wandern in Rheinhessen: Zwei Wandernde mit Rucksäcken auf einem Weg durch die Weinberge bei Oppenheim. Im Hintergrund ist die Katharinenkirche zu sehen.
Foto: Dominik Ketz

Wandern in Rheinhessen: Von Worms nach Mainz mit Weinpause

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Rosalie Nkwetchou

Der Herbst ist die perfekte Zeit, um Rheinhessen zu Fuß zu erkunden. Deutschlands größtes Weinbaugebiet erstreckt sich über rund 27.700 Hektar Rebfläche. Mittendurch führt der rund 62 Kilometer lange RheinTerrassenWeg von Worms nach Mainz, vorbei an kleinen Weinorten, historischen Sehenswürdigkeiten und natürlich an der einen oder anderen Weinstube.

Große Wandererfahrung braucht es für den RheinTerrassenWeg nicht, denn die Strecke ist gut ausgeschildert und kommt weitgehend ohne steile Anstiege aus. Insgesamt sechs Etappen stehen zur Auswahl, von denen sich jede auch einzeln wandern lässt. Für einen Tagesausflug ist das praktisch, denn dank der zwölf Bahnhöfe entlang der Route klappt die An- und Abreise problemlos ohne Auto.

Von alten Grabsteinen und gotischer Baukunst

Wer auf dem RheinTerrassenWeg unterwegs ist, begegnet immer wieder Spuren der Vergangenheit. In Worms liegt mit dem Heiligen Sand der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas. Einige seiner Grabsteine stammen noch aus dem 11. Jahrhundert. Weiter nördlich lohnt sich in Oppenheim ein Abstecher zur gotischen Katharinenkirche. Ihr berühmtes Glasfenster, die sogenannte Oppenheimer Rose, hat rund 700 Jahre überdauert. Große Teile der mittelalterlichen Verglasung sind bis heute erhalten.

Wandern in Rheinhessen: Blick auf die gotische Katharinenkirche in Oppenheim mit ihren markanten Türmen und großen Kirchenfenstern.
Foto: clearlens/Shutterstock.com

Der jüdische Friedhof Heiliger Sand öffnet vom 15. März bis 31. Oktober sonntags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, vom 1. November bis 15. Dezember von 11 bis 16 Uhr. Samstags und an jüdischen Feiertagen bleibt der Friedhof geschlossen. Zwischen Mitte Dezember und Mitte März gelten gesonderte Besuchstermine. Der Eintritt ist frei. Männliche Besucher benötigen eine Kopfbedeckung. Die Katharinenkirche öffnet von März bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr, von November bis Februar von 10 bis 16 Uhr. Während der Gottesdienste sind keine Besichtigungen möglich. Der Eintritt ohne Führung ist frei. Wegen Sanierungsarbeiten sind die Nord- und Südfassade der Katharinenkirche derzeit eingerüstet.
👉 Weitere Informationen zum jüdischen Friedhof Heiliger Sand und zur Katharinenkirche Oppenheim.

Wo der Buchdruck Geschichte schrieb

Am nördlichen Ende des RheinTerrassenWegs wartet Mainz. Die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz ist die Heimat von Johannes Gutenberg, der um 1450 den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern revolutionierte. Ihm widmet sich das Gutenberg-Museum, eines der ältesten Druckmuseen der Welt. Seine Ausstellung ist derzeit unter dem Titel »Gutenberg-Museum MOVED« in Räumen des Naturhistorischen Museums untergebracht. Dort geht es um die Geschichte des Buchdrucks und der Medien. Zu sehen sind auch zwei originale Gutenberg-Bibeln. Nach so viel Geschichte lädt die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und urigen Weinstuben zum Bummeln ein.

Wandern in Rheinhessen: Aufgeschlagene Gutenberg-Bibel mit gedruckten Texten und zwei farbigen Illustrationen in Mainz.
Foto: Andrea Izzotti/Shutterstock.com

Das Gutenberg-Museum MOVED in der Reichklarastraße 1 öffnet regulär täglich von 9 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Erwachsene zahlen 10 Euro Eintritt, ermäßigt 6 Euro. Vom 23. bis 27. November 2026 bleibt das Museum wegen Wartungsarbeiten geschlossen.
👉 Weitere Informationen zum Gutenberg-Museum.

Rheinhessens Landschaft steckt voller Überraschungen

Rote Weinberge mitten in Rheinhessen? Fast. Am Roten Hang bei Nierstein oberhalb des Rheins sorgen Eisenverbindungen im Gestein für die auffällige Färbung. Die Sedimente, aus denen das Gestein entstand, lagerten sich vor rund 280 Millionen Jahren ab. Heute wachsen hier vor allem Rieslingreben. Die daraus entstehenden Weine sind weltweit bekannt.

Wandern in Rheinhessen: Zwei Wandernde auf einem Weg durch die Weinberge am Roten Hang bei Nierstein. Im Hintergrund ist der Rhein zu sehen.
Foto: Dominik Ketz

Eine ganz andere Landschaft erwartet Wandernde rund um Mettenheim und Alsheim. Dort haben sich sogenannte Hohlwege tief in den Lössboden eingeschnitten. Über Jahrhunderte gruben sich die Wege durch häufige Nutzung und abfließendes Regenwasser immer tiefer in den Boden. Die Wände ragen heute stellenweise mehrere Meter in die Höhe und schaffen geschützte Lebensräume für zahlreiche Pflanzen und Tiere. 

Einkehr mit Wein und Winzersteak

Nach einigen Kilometern durch die Weinberge kommt eine gemütliche Pause gerade recht. Entlang des RheinTerrassenWegs laden zahlreiche Weinstuben und Straußwirtschaften zur Einkehr ein. In Letzteren schenken Winzer ihren eigenen Wein aus, oft direkt auf dem Hof ihres Weinguts. Dazu gibt es häufig kleine regionale Gerichte wie Spundekäs mit Brezeln. Anders als klassische Weinstuben haben Straußwirtschaften nur saisonal geöffnet, häufig im Frühjahr und im Herbst zur Weinlese. Ob Gäste willkommen waren, zeigte früher ein Strauß aus Weinlaub oder Ähren am Hoftor. Daher stammt auch ihr Name.

Auf einem Holzfaß in einem Winzerhof steht ein Gedeck mit zwei Gläsern Weißwein und einem Flammkuchen.
Die sonnigen Herbst- und Wintertage eignen sich hervorragend für einen kulinarischen Abstecher in die zahlreichen Winzerhöfe und Straußwirtschaften in Rheinland-Pfalz. Egal ob spritzige Weißweine, vollmundige Rote oder saisonale Tropfen wie Federweißer oder Glühwein – hier findet jeder Besucher seinen Lieblingswein.

In Rheinhessen kommt traditionell viel Herzhaftes auf den Tisch. Auch Handkäs zählt zu den regionalen Klassikern. Der würzige Sauermilchkäse wird meist mit Zwiebeln und einer Marinade aus Essig und Öl serviert, dazu gibt es Brot. Für den größeren Hunger nach einer langen Wanderung steht auch Winzersteak auf der Speisekarte. Das Schweinefleisch wird vor dem Grillen oft in Wein und Gewürzen mariniert und anschließend mit Kartoffeln serviert.

👉 Mehr zur Region und zum RheinTerrassenWeg findest du hier.

Häufige Fragen zum RheinTerrassenWeg

Welche Schuhe sind für den RheinTerrassenWeg geeignet?

Feste Schuhe mit griffiger Sohle sind empfehlenswert. Zwischen Worms und Osthofen verlaufen viele Abschnitte auf befestigten oder asphaltierten Wegen. Einzelne Naturwege können nach Regen jedoch matschig sein.

Wie schattig ist der RheinTerrassenWeg?

Durchgehender Schatten ist auf der Strecke nicht zu erwarten. Auf der Etappe von Worms nach Osthofen besteht beispielsweise ab Herrnsheim wenig Schutz vor der Sonne. Ausreichend Trinkwasser und Sonnenschutz gehören deshalb besonders an warmen Tagen zur Ausrüstung.

Wo sind Wanderkarten und GPS-Daten für den RheinTerrassenWeg erhältlich?

Die Tourenplanung auf rheinhessen.de verlinkt digitale Karten und Etappenbeschreibungen. Im Tourenplaner Rheinland-Pfalz stehen Wegbeschreibungen samt Übersichtskarten und Höhenprofilen zum Ausdrucken bereit. GPS-Tracks lassen sich herunterladen.

Ist eine Wanderung auf dem RheinTerrassenWeg mit Gepäcktransfer möglich?

Ja. Bei der mehrtägigen Wanderpauschale von Rheinhessen-Touristik lässt sich ein Gepäcktransfer gegen Aufpreis hinzubuchen. Pro Person ist ein Gepäckstück mit höchstens 18 Kilogramm vorgesehen. Unterwegs genügt dadurch ein Tagesrucksack.