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Hermen Anglada Camarasa, „Bauern von Gandia”, 1909: Zwei reich geschirrte Pferde stehen vor violettem Wolkenhimmel, auf dem rechten sitzt eine Frau in weißem Kleid mit Goldkrone. Ringsum stehen Figuren in bestickten Gewändern, zwei halten blau-weiße Krüge empor.
Hermen Anglada Camarasa, Bauern von Gandía, 1909 | Bild: Hermen Anglada Camarasa, VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Foto: Museo de Bellas Artes de Asturias. Col. Pedro Masaveu / Marcos Morilla

Barcelona moderna: Von Gaudí bis Picasso in der Kunsthalle München

Barcelona ist eine Weltstadt, und das nicht erst seit gestern. Über eine ganz besondere Kunstströmung aus der katalanischen Metropole, den „Modernisme“, geht es ab 23. Oktober 2026 in der neuen Ausstellung der Kunsthalle München.

Rund um die Jahrhundertwende befanden sich zahlreiche Länder und Regionen im Umbruch. So auch Katalonien mit seiner Hauptstadt Barcelona. Um 1900 war die Metropole eines der, wenn nicht das industrielle Zentrum Spaniens, und wandelte sich in atemberaubender Geschwindigkeit. Unter anderem das heute so bekannte Straßenraster, das „Eixample“, entstand in dieser Zeit. Gleichzeitig wurden in Spanien und seinen Regionen, nachdem 1898 die letzten transatlantischen Kolonien der Kontrolle entglitten waren, Fragen nach der nationalen und regionalen Identität lauter. Diese Debatte schlug sich auch in der Kunst nieder.

Ramon Casas, „Ramon Casas und Pere Romeu auf einem Tandem”, 1897: Zwei bärtige Männer in weißer Radkleidung und dunklen Kniestrümpfen fahren auf einem Tandem vor ockerfarbenem Grund, der vordere raucht Pfeife, der hintere blickt zum Betrachter.
Ramon Casas, Ramon Casas und Pere Romeu auf einem Tandem, 1897 | Bild: Museu Nacional d’Art de Catalunya, Barcelona

Modernisme: Kataloniens Antwort auf Jugendstil und Art Nouveau

Und so entstand in Barcelona, parallel zu Jugendstil und Art Nouveau, der „Modernisme“ – eine spezifisch katalanische Kunstströmung, deren Vertreter das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, den Gegensatz zwischen imperialer Vergangenheit und nationaler Zukunft ausloteten. Ebendieser Strömung widmet die Kunsthalle München vom 23. Oktober 2026 bis zum 21. Februar 2027 die Ausstellung „Barcelona moderna. Von Gaudí bis Picasso“.

Gezeigt werden rund 160 verschiedene Exponate, darunter Grafiken, Gemälde, Möbel, Architekturmodelle und Skulpturen. Auf diese Weise wird die ganze Bandbreite des katalanischen Modernisme zwischen 1880 und 1914 veranschaulicht, ebenso seine Unterschiede und Übereinstimmungen mit ähnlichen europäischen Entwicklungen. In Kooperation mit dem Museu Nacional d’Art de Catalunya in Barcelona sind einige der Ausstellungsstücke erstmalig außerhalb Spaniens zu sehen.

Unter den Exponaten sind unter anderem Werke solch namhafter Künstler wie Antoni Gaudí (1852–1926) und frühe Arbeiten des jungen Pablo Picasso (1881–1973). Die Ausstellung ist aber auch eine erstklassige Möglichkeit, sich eingehender mit hierzulande eher unbekannten Namen vertraut zu machen, wie etwa den Architekten Lluís Domènech i Montaner (1849–1923) und Josep Puig i Cadafalch (1867–1956) sowie den Malern Santiago Rusiñol (1861–1931), Ramon Casas (1866–1932), Hermen Anglada Camarasa (1871–1959), Isidre Nonell (1872–1911) und Joaquim Mir (1873–1940).

Mehr als Architektur: Klassenkonflikte und der verklärte Blick aufs Land

Neben den Köpfen stehen auch die Konzepte des Modernisme im Fokus. Ein Teil der Ausstellung widmet sich etwa der städtebaulichen Entwicklung Barcelonas sowie dem Zusammenspiel von Architektur und Design. Ebenso sind die Spannungen zwischen den auseinanderdriftenden Klassen innerhalb der wachsenden Städte ein Thema. Und auch der teils romantisch-verklärte Blick aus der Stadt auf das „einfache Landleben“, das in Wahrheit oft von Armut und Verzicht geprägt war, wird ausgeleuchtet.

Ildefons Cerdà, „Entwurf für die Stadterweiterung von Barcelona”, 1860: Ein kolorierter Stadtplan, auf dem das rosa gerasterte Schachbrett des Eixample die dunkel gezeichnete Altstadt umschließt und bis ans Meer reicht. Seitlich und unten stehen Spalten mit Chronologie und erläuterndem Text.
Ildefons Cerdà, Entwurf für die Stadterweiterung von Barcelona, 1860 | Bild: Arxiu Històric de la Ciutat de Barcelona

Wer die Ausstellung nicht auf eigene Faust besuchen möchte, bucht sich auf eine der beinahe täglichen Führungen der Münchner Volkshochschule ein. Führungen mit den Kuratorinnen und Kuratoren der Ausstellung werden am 16. November, am 14. Dezember, am 11. Januar und am 1. Februar angeboten. Am 30. November steht zudem ein Vortrag von Co-Kurator Carlos Alonso Pérez-Fajardo auf dem Programm, ebenso am 7. Dezember mit Co-Kuratorin Franziska Stöhr.

Die Ausstellung „Barcelona moderna. Von Gaudí bis Picasso“ läuft vom 23. Oktober 2026 bis zum 21. Februar 2027 in der Kunsthalle München. Geöffnet ist täglich von 10 bis 20 Uhr, ausgenommen Heiligabend (geschlossen) und Silvester (bis 17 Uhr). Erwachsene zahlen regulär 18 Euro Eintritt, Kinder von 6 bis 17 Jahren zahlen vier Euro, darunter frei. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum Barberini in Potsdam, dort wird sie vom 20. März bis zum 20. Juni 2027 in veränderter Form zu sehen sein. Mehr unter www.kunsthalle-muc.de.