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Schaufenster des Geschäfts "Blickwerke" in Köln
Marie Tysiak

Ein Einzelhändler und seine Vision: Eine virtuelle Shopping-Street für Köln

Text
Marie Tysiak

Werner Mason ist Kölner durch und durch. Sein Geburtsort liegt keinen Kilometer entfernt von seinem aktuellen Herzensprojekt, dem Vintage- und Interior-Shop »Blickwerke«. Entspannt sitzt der 54-Jährige auf der gemütlichen Holzbank vor seinem Geschäft und läutet mit den benachbarten Ladenbesitzern zum Feierabend das heiße Sommerwochenende ein. Laut schwatzend und natürlich lokalgetreu mit einem Kölsch. Es ist ein heißer Sommerabend, für sie beginnt nun das freie Wochenende. 

Köln ist tatsächlich ein Gefühl: eine Stadt voll wundervoller Menschen und die schönste Heimat, die ich mir vorstellen könnte. Doch es darf nicht nur ein Sprichwort bleiben, nichts davon ist selbstverständlich. Man muss stetig daran arbeiten und die Stadt eigens mitgestalten. Darum habe ich Veedel-Shooping gegründet.

Werner Mason
Werner Mason, Inhaber des Ladens Blickwerbe in der Kölner Südstadt und Gründer der Online-Plattform Veedelshopping
Werner Mason

Die Corona-Krise macht erfinderisch

Der gelernte IT-Spezialist, der die meiste Zeit seiner Karriere für verschiedene TV-Produktionen tätig war, hat erst letztes Jahr sein Geschäft eröffnet. Werner Mason verkauft jede Form von Einrichtung, die ihm persönlich gefällt. Zwischen Produkten von kleinen Kölner oder europäischen Manufakturen stehen Antiquitäten-Schmuckstücke vom Flohmarkt, daneben handgewebte Körbe eines Fair-Trade-Frauenprojektes aus Senegal. Von lokal bis global, alt bis neu, klein bis groß, leicht Kitsch bis Design ist hier alles dabei. 

Die Corona-Krise hat den schönen Laden hart getroffen. Also hat Werner Mason nach Wegen gesucht, seine Fähigkeiten zu nutzen, um auch weiteren betroffenen Ladenbesitzern aus der schönen Merowingerstraße in der Kölner Südstadt unter die Arme zu greifen. Jetzt, wenige Monate später, sind sie gemeinsam digital sichtbar auf ihrer Webseite.

Wenn Onlineshopping zum Erlebnis wird

»Veedel-Shopping ist wie eine virtuelle Einkaufserfahrung, aber mit der Verbindung zum richtigen Laden. Zuerst habe ich alle Shops dieser Straße vereint, dann dieses Stadtviertels – und aktuell bin ich mit Unternehmern aus der ganzen Stadt in Kontakt. Unsere Webseite dient als lokale Alternative zu den großen Online-Bestelldiensten. Man findet alles, was man braucht, in Köln. Nur hat natürlich niemand Lust, alle Läden oder Webseiten abzuklappern. Aber wenn alle Produkte von den gesamten kleinen Shops auf einer Plattform zu finden sind, ist das Onlineshoppen nachhaltig und ohne aufwendigen Versand möglich – und zudem einfach für den Nutzer.« 

Screenshot der Website "Veedelshoping"

Jeder Händler hat trotzdem auf der Webseite eine Art eigenes Online-Schaufenster, so bleibt der Bezug zum eigentlichen Laden bestehen. Geliefert wird dann am nächsten Tag, per E-Bike. Wenn es mal schnell gehen soll, ist auch ein Same-Day-Express-Versand gegen Aufpreis möglich. Aber es bleibt eben nachhaltig. Und im Falle eines Umtausches kann der Kunde gerne persönlich im Geschäft vorbeischauen und vielleicht gleich das Passende mitnehmen.

Werner Mason hat sich bereits Gedanken gemacht, wie er Umtauschen generell entgegenwirken kann. »Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten, ein Produkt online so darzustellen, dass der potentielle Kunde ein sehr gutes Bild davon hat, was er genau bestellt. Wir nutzen zum Beispiel Augmented Reality, die wie ein 3D-Scan das Produkt erfasst. So kann man mit seinem Smartphone beispielsweise virtuell das gewünschte Kissen in Echtgröße auf dem Sofa platzieren, um zu schauen, ob Farbe, Größe und Geschmack getroffen sind. Shopping wird so gleichzeitig zum Erlebnis.«

Interior des Shops "Blickwerke" im Süden Kölns
Marie Tysiak

Die Veedel bleiben bunt

Das sind nur einige der unendlich viele Ideen, die Werner Mason für die Onlinepräsenz der kleinen Einzelhändler von Köln hat. Der Visionär hat bereits viele Unterstützer und Mitwirkende für sein Projekt gefunden. Die digitale Welt stellt für ihn keine Konkurrenz zum Ladengeschäft dar, viel mehr sieht er darin eine Chance.

Das Internet kann man ideal nutzen, um den kleinen Shop von nebenan den Menschen wieder näher zu bringen.

Er erhebt sein Glas für einen Toast: »Ich möchte Digitalisierung menschlich machen. Und den Kölnern lokales Onlineshopping in dieser wunderschönen Stadt ermöglichen, um so den Einzelhandel zukunftsfähig zu erhalten. Damit sich das Bummeln hier dank der vielen kleinen und bunten Läden in den Veedeln noch lange wie Urlaub anfühlt.« 

Mehr Infos zum Projekt unter https://www.veedel-shopping.de
(Hinweis: Das Projekt und die Webseite sind gerade noch im Aufbau und freuen sich über weitere Läden, die mitmachen möchten!)

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