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Stranddreizack auf einer Wiese
Martin Stock / LKN SH

Die Kräuter der Salzwiesen an der Nordseeküste

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Lisa-Kristin Erdt

Salzwiesen sind kilometerbreite Streifen, durchzogen von Gräben und Prielen, in denen die Flut ein- und ausströmt. Eine beeindruckende Pflanzenvielfalt hat sich hier ihren Weg durch Salzwasser und extreme Sonneneinstrahlung gebahnt. Einige dieser Kräuter der Nordsee können sogar in der Küche benutzt werden.

Einzigartige Lebenswelt an der Küste

Wenn im Sommer die Sonne über den Salzwiesen an der Nordseeküste steht, erwacht das einzigartige Biotop zu neuem Leben. Dieser besondere Lebensraum erstreckt sich von den Niederlanden, über Dänemark, bis zur schleswig-holsteinischen Küste und gehört zu den größten seiner Art weltweit.

Eine Salzwiese an der Nordsee im Sonnenuntergang
Nina Rademacher

Die Pflanzen, die auf den Salzwiesen wachsen, sind wahre Überlebenskünstler: Bei Sturmfluten wird das dichte Grün vom salzigen Nordseewasser überspült. Pflanzen wie der Strandflieder oder das Schlickgras haben spezielle Mechanismen entwickelt, um mit dem Salz umzugehen – sie verdünnen es, speichern es und leiten es in Form von funkelnden, hauchdünnen Salzkristallen wieder aus.

Halligflieder in einer Salzwiese
Halligflieder | Nina Rademacher

Unser Tipp: Wer die Salzwiesen mit allen Sinnen erleben möchte, sollte sich einer geführten Tour anschließen. Orte wie der Naturerlebnisraum St. Peter-Ording, der Salzwiesenlehrpfad auf der Hamburger Hallig und der Stockenstieg am Leuchtturm Westerhever halten genehmigte Wege bereit, auf denen Besucher die Salzwiesen erkunden können.

Von den Salzwiesen in die Küche

Eines der bekanntesten Kräuter der Salzwiesen an der Nordsee ist der Queller, auch Salicornia genannt. Die kleinen grünen Stängel sind knackig und schmecken salzig, pfeffrig-scharf und angenehm säuerlich. Eine gute Nachricht für alle, die nicht in der Nordseeregion leben: Das Kraut kennt nicht nur seine gewohnte Umgebung, es ist auch längst im Fachhandel erhältlich. Es ist roh oder leicht blanchiert in Salaten oder als knackige Beilage zu Fischgerichten mit Olivenöl, einem Spritzer Zitronensaft und Gewürzen ein Gedicht.

Eine Salzwiese mit Queller-Bewuchs
Queller | Nina Rademacher

Wo der Queller geschmacklich hervorsticht, punktet der Strandwermut mit einem wohligen Duft. Sein süßlich-würziges Aroma fällt auf, noch bevor man die silbrig-weiß glänzende Pflanze sieht. Kein Wunder, dass seine aromatischen Eigenschaften pure Inspiration für Destillateure sind: Aus dem Kraut werden die leckersten Kräuterschnäpse hergestellt.

Flasche und Glas mit Strandwermutschnaps
Maike Otto / TMS Büsum

Roh riecht er nach Chlor, Knoblauch und etwas modrig – das klingt erst mal nicht sehr verlockend. Dennoch ist der Stranddreizack ein weiteres bemerkenswertes Salzwiesenkraut (und nach dem Kochen riecht er auch besser). Optisch ähnelt er dickem Schnittlauch, ist aber nicht hohl und heller gefärbt. In Ostfriesland wird der Stranddreizack gekocht und im Frühjahr als Röhrkohl gegessen ­– aber Vorsicht, ungekochte Pflanzenteile sind giftig!

Früher war der Strandwegerich ein weit verbreitetes Gemüse, weil er reich an Nährstoffen ist und geschmacklich an Spinat erinnert. Er wäre aber kein Salzwiesenkraut, wenn er nicht einen unverwechselbar salzigen Geschmack hätte. Wenn der Wegerich roh in Salaten oder gekocht wie Spinat verwendet wird, sollte er daher nur sparsam gesalzen werden.

Strandwegerich in Nahaufnahme
Martin Stock / LKN SH

Natürlicher Küstenschutz und Lebensraum

Salzwiesen sind nicht nur gut für den Magen, sondern auch für die Umwelt: Durchzogen von Gräben und Prielen sind sie sichere Plätze für die Aufzucht von Jungfischen und Nistplätze für Vögel ­– ein natürlicher Küstenschutz sozusagen. Vor den Deichen Schleswig-Holsteins und auf den Halligen gibt es mehr als 13.000 Hektar Salzwiesen, die bis zur Unterschutzstellung als Nationalpark und Unesco-Weltnaturerbe meist von Schafen beweidet wurden – inzwischen ist das auf fast der Hälfte der Salzwiesenflächen nicht mehr der Fall.