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Studentenflair am Flügelhügel in Wuppertal bei Sonnenuntergang
Simon Wierzba

Grünes Nordrhein-Westfalen

In den Metropolen in Deutschlands Westen liegt nicht nur Asphalt. Ganz im Gegenteil. Blühende Heide und exotische Bäume sind in diesen grünen Städten in Nordrhein-Westfalen meist nicht weit. Lest selbst:

Köln

Wir müssen mal eine Lanze für Köln brechen. Denn auch wenn unsere Heimatstadt architektonisch oft ein Graus ist, so hat sie doch zahlreiche Grünflächen. Konrad Adenauer, nicht nur erster Bundeskanzler, sondern auch ehemaliger Oberbürgermeister Kölns, hatte immer wieder daran appelliert, an die Kinder und Kindeskinder zu denken und ihnen den Zugang zu „unberührter Natur“ innerhalb der Stadt zu ermöglichen. Andernfalls würde Köln zu einer „Steinwüste“ degenerieren, zu einem „endlosen Häusermeer, ohne Licht und ohne Grün“. 

Mit dem Fahrrad entlang der Pollerwiesen in Köln

Bedeutet: Grün ist auf den mehr als 400 Quadratkilometern Fläche von Köln vielerorts ein fest integrierter Bestandteil. Zählt man Äcker, Wälder, Felder und Parks zusammen, ist Köln Spitzenreiter der Metropolen Deutschlands, wenn es um Natur geht.

Doch unser Tipp heute soll ein bestimmter sein: Die Wahner Heide im Südosten der Stadt. Schön für eine Wanderung oder einen ausgiebigen Hundespaziergang (aber bitte an der Leine!) ist sie eines der artenreichsten Naturschutzgebiete im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Hier gibt es über 700 gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Die Kreuzkröte beispielsweise oder das Knabenkraut. 

Mann spaziert durch die Wahner Heide in Köln
Jennifer Latuperisa-Andresen

Düsseldorf

Jetzt sagen wir Düsseldorf, eigentlich sollte es aber Neandertal heißen. Das ist nämlich der unbebaute Talabschnitt der Düssel auf dem Gebiet der Städte Erkrath und Mettmann, rund zehn Kilometer östlich von Düsseldorf. Die ursprüngliche Schlucht von knapp einem Kilometer Länge wurde im 19. Jahrhundert durch den Abbau von Kalkstein vollständig zerstört.

Unmittelbar danach erlangte das Neandertal jedoch anderweitig weltweit Berühmtheit. Nämlich durch den Fund eines Urzeitmenschen. Jetzt Neandertaler genannt, eben nach seinem Fundort. Da der fossile Fund des Neandertalers wahrscheinlich – grob gesagt – aus der Eiszeit stammt, gibt es dort heute auch ein Eiszeitliches Wildgehege. Zu sehen sind Wisente, Tarpane und Auerochsen. Es ist wunderschön hier, eine Wanderung lohnt sich auf jeden Fall und wer mag, kann ja auch noch den berühmten Neandertaler im Museum besuchen.

Wuppertal

Wuppertal nennt sich selbst die Grüne Großstadt, denn fünf Wuppertaler Parkanlagen sind Teil des Europäischen Gartennetzwerks – so viele wie von keiner anderen europäischen Stadt. Doch blicken wir einmal genauer hin. Die Schwebebahn-Stadt hat etwa 360.000 Einwohner und die können sich auf 34 Prozent Grünfläche freuen. Und wer bei der Anreise genau hinsieht, wird es auf den ersten Blick sehen, Wuppertal ist eine grüne Lunge. Dazu zählen 1.318 Hektar Grün- und Parkanlagen, 4.850 Hektar sind mit Wald und Forst belegt, 3.500 Hektar durch die Landwirtschaft. Zum Vergleich: Ein Hektar hat ungefähr die Maße eines großen Fußballfeldes.

Bereits im 19. Jahrhundert haben mitunter die bedeutendsten Gartenarchitekten Deutschlands das Naherholungsgebiet der Bürger mitgestaltet. Es musste ein Kontrast zur Industrialisierung geschaffen werden. Unbedingt vorbeischauen sollte man im Gartendenkmal Hardt, das nur wenige hundert Meter von der Elberfelder Innenstadt entfernt liegt. Auch schön ist der Botanische Garten mit seinem wunderschönen Elisenturm sowie der Skulpturenpark Waldfrieden, in dem der international gefeierte Wuppertaler Künstler Tony Cragg seine Skulpturen von Weltrang ausstellt. Im Arboretum Burgholz – unser Highlight – südwestlich der Stadt stehen über 100 Baumarten aus drei Kontinenten. Kalifornische Weihrauchzeder beispielsweise oder Sumpfzypressen. Und der Tulpenbaum. Ja, richtig gelesen und ein wahrer Hingucker ist er zudem.

Duisburg

Nur wer sich nicht im Ruhrgebiet auskennt, redet davon, dass der Pott grau und dreckig sei. Pustekuchen. Im Ruhrgebiet gibt es reichlich Grün. In den südlichen Stadtvierteln Essens beispielsweise oder an der Sechs-Seen-Platte in Duisburg. Und gerade mit Duisburg verbindet man Stahl, Bergbau und ein hartes Pflaster. Doch wie schon so oft beschrieben, wurden die einstigen Industrieanlagen wunderbar umfunktioniert. Der Landschaftspark Nord beispielsweise ist nun auch wieder ein reichhaltiger Lebensraum. Seit Stilllegung des einstigen Hüttenwerks hat sich die Natur wieder ihr Plätzchen zurückerobert. 

Blumen im Landschaftspark Nord in Duisburg, einer der Grünen Städte in NRW
Thomas Berns