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Blick auf den gedeckten Tisch mit deutschen Speisen
Foxys Forest Manufacture/ Shutterstock.com

Deutsche Küche: Auf den Geschmack gekommen

Text
Simone Sever

Schnecken in Frankreich, Meerschweinchen in Chile, Fischeier in Russland … das kulinarische Angebot ferner Länder ist nicht immer nach unserem Geschmack. Aber auch in der deutschen Küche gibt es Gerichte, die ungewöhnlich schmecken und seltsam klingen. funkyGERMANY macht Appetit auf

… Dibbellabbes in Saarbrücken

… oder auch Döppekooche, Dippedotz oder Döbbekuchen kommt im Hunsrück, in der Eifel, im Saarland und in Saarbrücken auf den Tisch und ist das traditionelle Lieblingsessen der Saarländer. Was das genau ist? Schauen wir uns das Wort einmal genauer an: Dibbe, das steht in saarländischer Mundart für Topf. Und Labbes für einen großen Laib. Insgesamt handelt es sich bei Dibbellabbes um ein Auflaufgericht mit Kartoffelbasis

Deutsche Küche aus dem Saarland: Dibbelabbes
Eike Dubois

Extratipp: Restaurant La Bastille in Saarbrücken. 

… Hamburger Labskaus

Böse Zungen behaupten Labskaus sähe aus … ach, wir wollen uns ja den Appetit nicht verderben. Labskaus, dieses schwer traditionelle Hamburger Gericht, war vor vielen hundert Jahren besonders bei Seefahrern bekannt. Da viele Seeleute vom Skorbut geschädigte Zähne hatten und oft keine feste Nahrung zu sich nehmen konnten, wurde Pökelfleisch kleingehackt, auch püriert und mit Kartoffeln, manchmal mit Fisch, Roter Bete, mit Gurken und allem, was zu finden war, serviert. Heute kommt das Labskaus traditionell mit Spiegelei und auch Rollmops auf den Teller und in der gepimpten Version auch mal mit Garnele oder Wachtelei ins Glas.

Hamburger Labskaus angerichtet mit sauren Gurken, Spiegelei, Rollmops und Roter Bete
Christin Klose/ Shutterstock.com

Extratipp: Wer es nicht nach Hamburg schafft, der kann sich den guten Stoff nach Hause kommen lassen. 

… Obadzda in München

»Alles Käse« ist das Motto in Bayern. Obadzda ist eine pikante bayerische Käsezubereitung, die hauptsächlich aus reifem Camembert, Butter und Gewürzen besteht. Dazu eine bayerische Brezel und eventuell ein frisches Weißbier. In den Biergärten Münchens eine beliebte Brotzeit und von der Karte nicht wegzudenken. Wer keinen Käse mag, lässt die Finger davon und bestellt sich a Hax’n!

Obadzda aus Bayern angerichtet mit Kräutern und Brezeln
Victoria P./ Shutterstock.com

Extratipp: Im Königlichen Hirschgarten schmeckt’s besonders gut.

… Berliner Falscher Hase

Keine Angst, Meister Lampe muss für dieses Gericht nicht die Löffel abgeben. Fleischlos ist der falsche Hase dennoch nicht. Woher die Bezeichnung kommt? Springen wir kurz in der Zeit zurück in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als bei den Deutschen sonntags gern ein Hasenbraten den Esstisch schmückte. Der Hase war aber nach dem Krieg vom Aussterben bedroht, durfte in Folge nicht mehr geschossen werden und wurde somit neu erfunden. Heute ist ein Falscher Hase nichts anderes als ein Hackbraten. Der Berliner Falsche Hase Hackbraten überrascht mit einem hart gekochten Ei in der Bratenmitte.

Berliner Falscher Hase bezeichnet in der deutschen Küche einen mit Ei gefüllten Hackbraten
MariaKovaleva/ Shutterstock.com

Extratipp: Ein Rezept zum Selbermachen.

… Frankfurter Grüne Soße

Es heißt Goethes Mutter Aja hätte die Grüne Soße erfunden. Angeblich soll sie dem Kinde so gemundet haben, dass die farbige Beilage fortan zum Leibgericht auserkoren wurde. Ob Goethe in jungen Jahren von der Soße als Gedicht schwärmte, wurde bislang nicht überliefert und scheint ebensolch eine Legende zu sein, wie die Mär von Mutters Erfindung. Nichtsdestotrotz, die »Grie Soß’« mit traditionell sieben Kräutern zählt zu den kulinarischen Spezialitäten Frankfurts, wird kalt serviert und schmeckt zu Kartoffeln, Eiern, aber auch zu Fisch und Fleisch.

Frankfurter Grüne Soße, eine ungewöhnliche Delikatesse aus Deutschland
Fotokombuese/ Shutterstock.com

Extratipp: Laut Tripadvisor ist das Mosebach das beste Restaurant für Grüne Soße in Frankfurt am Main.

… Kohl und Pinkel in Bremen 

Pinkel, der Name ist gewöhnungsbedürftig – nicht für Bremer – aber für alle Zugereisten. Die geräucherte, grobkörnige Grützwurst ist dennoch beliebt und in der Gegend um Bremen und im Oldenburger Land die charakteristische Einlage zum Kohl. Kommt man in die Region um Hannover, Hildesheim, Braunschweig und Magdeburg wird der Kohl mit Bregenwurst serviert. Und in Hamburg ist es schlicht Kochwurst, die mit dem krausblättrigen Kohl in den Topf kommt. 

Kohl und Pickel serviert mit Kartoffeln und Kassler in einem Restaurant
Christin Klose/ Shutterstock.com

Extratipp: Für ein gelungenes Kohl und Pinkelessen zuhause, einfach die Wurst in der Fleischerei Monse bestellen und den Kohl von Heinrich Lüders aus der Dose. Guten Appetit!

… Kölsche Kaviar und ’ne Halve Hahn

Die Kölner spinnen, anders kann man sich die Namensgebung in der Kölner Kulinarik kaum erklären. In Köln ist nichts wie es scheint. Oder isst man nicht, was man meint bestellt zu haben. Da steht zum einen der Kölsche Kaviar auf der Karte, der so gar nichts mit dem teuer dekadenten Kaviar zu tun hat. Was man bekommt, wenn man den Kölschen Kaviar bestellt? Eine ordentliche Portion Flönz, wie die Kölner Blutwurst nennen. Dazu ein Roggenbrötchen, hier Röggelchen genannt,  Zwiebelringe und Senf. Wer lieber auf Nummer sicher geht und sich einen Halve Hahn bestellt, um sich alsbald auf ein knuspriges Hähnchen zu freuen, wird ebenfalls umdenken müssen, denn statt des zarten Federviehs gibt es ein Röggelchen samt mittelaltem Gouda, Zwiebeln, Butter und Senf. Was das mit ’nem Huhn zu tun hat? Das wissen nur die Kölner.

Deutsche Küche aus Köln: Kölsche Kaviar
Dieter Jacobi / KölnTourismus GmbH

Extratipp: Im Traditionsgasthaus Zum Treppchen in Rodenkirchen isst man die verwirrenden Gerichte mit Blick auf den Rhein. 

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