Augen auf bei der Berufswahl! Wer in der Bewerbung zu viel verspricht, kann schon mal in Teufels Küche kommen. Doch auch dort können unerwartete Ergebnisse entstehen. So zum Beispiel ist es zur Entdeckung des Porzellans in Europa gekommen, weiß Redaktionshistoriker Konrad.
Wir haben doch sicher alle schon mal im Lebenslauf etwas geflunkert. Und sei es bei den »verhandlungssicheren« Englischkenntnissen, die sich beim ersten Kontakt mit Muttersprachlern in Luft aufgelöst haben. Was sich der angehende Alchemist Johann Friedrich Böttger Anfang des 18. Jahrhunderts allerdings geleistet hat, ist eine andere Hausnummer.
Unser Redaktionshistoriker Konrad sammelt auf Tour zwangsläufig allerhand Geschichten. Die lassen sich leider – Anweisung der Chefredaktion – nicht immer in einer Reportage unterbringen. Auf dieser hart erkämpften Seite darf er dafür seine liebsten historischen Anekdoten zum Besten geben. Dönekes halt.
Auf der Flucht: Wie August der Starke den Goldmacher festsetzte
Böttger vollbrachte nämlich im Oktober 1701 als Geselle in einer Berliner Apotheke das Kunststück, Silber zu Gold umzuwandeln. Zumindest konnte er einige Zuschauer nachhaltig davon überzeugen. Die Kunde verbreitete sich rasch in der preußischen Hauptstadt, sogar bis ins königliche Ohr von Friedrich I. – der ließ Böttger vorladen, denn wer hätte nicht gerne einen Goldmacher im Hofstaat?


Böttger allerdings türmte über die Landesgrenze in Richtung Sachsen. Wohl um nicht als Scharlatan aufzufliegen. Der sächsische Kurfürst August der Starke hatte allerdings auch schon von Böttgers Wundertaten gehört und setzte den flüchtigen Alchemisten kurzerhand fest. Im Austausch für seinen „Schutz“ musste Böttger sich verpflichten, dem Kurfürsten erhebliche Mengen Gold zu produzieren. Verdammt zum Erfolg sozusagen.
Meißen 1710: Wie die berühmteste Porzellanmanufaktur Europas entstand
Gemeinsam mit dem Hofgelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus machte Böttger sich ans Werk. Aus lokalen Tonerden wurden Schmelztiegel für hohe Temperaturen gefertigt. Und im Rahmen dessen entstand im Januar 1708 ein ganz anderes Produkt: Porzellan. Das kannten die Europäer die längste Zeit nur als Importware aus China. Ein teures Vergnügen. Zahlreiche Alchemisten forschten bereits seit Jahrzehnten an der Herstellung, um den teuren Handelsweg überflüssig zu machen. So auch Tschirnhaus. Und nun war es ihm gemeinsam mit Böttger gelungen.

Der Kurfürst sah die Gelegenheit. 1710 bewilligte er die Gründung einer Manufaktur in der Albrechtsburg zu Meißen. Die beiden Erfinder haben vom Ruhm allerdings kaum noch etwas mitbekommen. Tschirnhaus starb bereits 1708, kurz nach dem Forschungsdurchbruch. Böttger wurde zwar 1714 aus seiner Gefangenschaft entlassen, 1719 starb er aber mit nur 37 Jahren. Vermutlich verursacht durch den Kontakt mit Quarzstaub und Quecksilber. Gold hatte er, zur Enttäuschung des Kurfürsten, bis zuletzt keines hergestellt. Das Porzellan aber blieb. Bis heute.
👉 Eine Schauwerkstatt in Meißen gewährt heute Einblick in die Porzellanproduktion, im angegliederten Museum sind Stücke aus 300 Jahren Herstellungsgeschichte ausgestellt. www.erlebniswelt-meissen.com
👉 Ebenfalls empfehlenswert: Noch bis zum 20. Dezember 2026 läuft im Museum Schloss Fürstenberg in Niedersachsen die Ausstellung „Der edle Akt. Porzellan und Erotik“. www.fuerstenberg-schloss.com






