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Blick auf den Münchner Marienplatz von oben
Travelerpix/ Shutterstock.com

München mal anders

Alternative Orte und Erlebnisse in der Landeshauptstadt

Text
Marie Tysiak

München – Deutschlands traditionelle Landeshauptstadt. Diesen Ruf wird die schöne bayerische Metropole einfach nicht los. Dabei kann München weit mehr als Lederhosen, Brezn und Oktoberfest. Denn hier ist auch ein Treffpunkt der Kreativen. Wir zeigen euch zehn besondere Orte und Erlebnisse in München.

Bahnwärter Thiel – hier wird’s laut und bunt

Bahnwärter Thiel ist der Inbegriff der alternativen Szene Münchens: Auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs stapeln sich besprühte Schiffscontainer zu einem Eingang, dahinter versteckt sich eine ganz eigene Welt. Ein ausrangierter Eisenbahnwaggon wird zur Bar, die alten Container zu Münchens legendärstem Techno-Club. Unter der shabby-silbernen Diskokugel trifft sich hier am Wochenende die junge Szene, einige wohnen in Campingwagen gleich dahinter. Das Kollektiv, das den Bahnwärter Thiel betreibt, veranstaltet auch Festivals, Konzerte und andere tolle Aktionen in der Stadt. Ihr neuestes Projekt ist die Alte Utting, ein Ausflugsdampfer, der nun auf einer stillgelegten Zugbrücke seinen letzten Anker als coole Szenebar mit Liveveranstaltungen fand.

Haidhausen – wo Alltag und Kunst sich treffen

Lange galt Haidhausen als Münchens Schmuddelviertel, doch das hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Die Altbauten im Franzosenviertel, wie Haidhausen aufgrund seiner französischen Straßennamen, breiten Boulevards und großen Plätze genannt wird, wurden renoviert. Cafés und kleine Shops haben sich eingenistet. An der Isar treten im alten Muffatwerk berühmte Künstler auf, das Müllersche Volksbad im Jugendstil gleich nebenan ist zweifelsohne Münchens schönstes Schwimmbad. Sicherlich hat der Gasteig als Kulturzentrum samt Philharmonie und Stadtbibliothek dazu beigetragen, dass man bei einer Fahrt mit der Straßenbahn durch Haidhausen an jeder Ecke aussteigen möchte. 

Brotzeit im Münchner Brauhaus
Marie Tysiak

Unser persönlicher Tipp für Haidhausen: In der Weißenburger Straße hat sich Werner Schuegraf nach jahrelanger Tätigkeit als Brauer seinen Traum erfüllt: seine eigene Craft-Beer-Brauerei Hopfenhäcker. Seit 2016 braut er seine sechs unterschiedlichen Kreationen im Hinterhof. Vorne, im Restaurant Meisterstück, werden rauchige Bratwurst und Rippchen mit hausgemachtem Senf und Brot serviert. Gerne werden auf Empfehlung des Hauses die einzelnen bayerischen Leckereien samt Bierbegleitung zum unkonventionellen, kreativen und unheimlich leckeren Mehrgängemenü. 

Werksviertel Mitte – Spielwiese für Kreative

Unmittelbar hinter Münchens Ostbahnhof errichte 1949 die neu gegründete Firma Pfanni ihr Werk. In den orangefarbenen Industrieblöcken wurden küchenfertiges Kartoffelpüree und Knödel hergestellt, die in den 1960er-Jahren aus keinem Haushalt mehr wegzudenken waren. Als Pfanni 1996 seine Produktion nach Mecklenburg-Vorpommern verlegte, entstand anschließend im alten Werk ein berüchtigtes Partyareal. Doch seit 2017 hat sich eine Initiative des Brachgeländes angenommen. Im Werksviertel-Mitte sind seither Loftwohnungen und Künstlerateliers in die alten Baucontainer gezogen, lässige Rooftop-Bars laden heute ins ContainerCollective ein, Konzerte und Musicals füllen die ehemaligen Lagerhallen mit Leben. Ein Friseur extra für Kinder oder eigene Schafe auf dem Dach – im Werksviertel Mitte sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Das neueste Projekt des lebendigen Stadtquartiers? Das größte mobile Riesenrad der Welt, auf dem man während eines Weißwurstfrühstücks aus 78 Metern München bestaunen kann. 

Blick auf das Werksviertel in München bei nacht
Sigi Müller/ München Tourismus

Glockenbachviertel & Gärtnerplatz – perfekt fürs Bar-Hopping

Das Glockenbachviertel ist Münchens bekanntestes Szeneviertel. Zu Recht, denn mit seinen vielen sanierten Altbauten, unzähligen Kneipen und Bars ist das Viertel eines der schönsten (und teuersten!) Münchens. Und das nicht nur auf das Nachtleben bezogen. Zu alteingesessenen Bars – wie z. B. der Dachterrasse des Hotel Deutsche Eiche – kommen immer wieder innovative Neueröffnungen hinzu. So zuletzt z. B. die Soda Bar Wolf’s Farmacy. Auch die Rooftop-Bar des Hotels The Flushing Meadows hat sich schnell zum beliebten Treffpunkt im Viertel etabliert. Oft zählt man den schönen und geselligen Gärtnerplatz samt gleichnamigem Viertel zum Glockenbachviertel dazu, denn auch hier reihen sich schöne Bars, Shops und Cafés aneinander. Übrigens ist in diesen Stadtteilen auch die Schwulen- und Lesbenszene Münchens angesiedelt!  

Street-Art – was man von München nie gedacht hätte

Wo nahm die deutsche Streetart-Szene ihren Anfang? Nein, nicht in Berlin. Auch wenn die Hauptstadt München längst die Show gestohlen hat – es war 1985 in Geltendorf in München, wo eine Gruppe Teenies nachts einen ganzen Zug besprühte und damit den Startpunkt der Streetart-Szene in Deutschland setzte. Noch heute zieren Graffitis der Künstler von damals die Brücken und Hauswände Münchens, längst sind „Loomix“ und seine Freunde zu Berühmtheiten in der weltweiten Streetart-Szene geworden. Auch wenn heute nicht mehr so viele Brachflächen zur Verfügung stehen – an den berüchtigten Halls-of-Fame in der Dachauer Straße, unter der Donnersbergerbrücke, in Untergiesing unter der Brudermühlbrücke oder am Alten Viehhof an der Tumblinger Straße reihen sich die bunten Gemälde aneinander.

Am besten schaut man sie sich mit jemandem an, der von Anfang an dabei war und sich bestens auskennt: Martin Arz. Leidenschaftlich erzählt der Buchautor und Künstler von der Streetart-Szene in München, er kennt die berühmten Sprayer persönlich und weiß, wo ihre schönsten Werke zu finden sind. Ein toller, spannender und bunter Blick auf ein etwas anderes München.

Buchbar ist eine Streetart-Tour über München Safari. Martin Arz hat auch ein Buch zur Streetart-Szene in München veröffentlicht: Munich Walls.

Der Kulturdachgarten + Kino, Mond und Sterne – Münchens grüne Oasen

München ist grün! Nicht nur an der Isar und im Englischen Garten, überall in der Stadt laden kleine und große Naturoasen zum Verweilen ein. Eine besonders schöne von ihnen ist der Kulturdachgarten. Seit 2018 darf auf dem Dach des Alpina Parkhauses am Stachus zwischen viel Holz und Grün open air entspannt werden. Der Blick über München ist toll, das Essen köstlich. Es gibt außerdem einen Garten, der von jedermann bepflanzt werden darf. 

Menschen im Open-Air-Kino in München mit leuchtender Leinwand
Kino, Mond und Sterne

Auch im schönen Westpark lockt eine ganz besondere Location an den Westsee: das Freiluft-Kino „Kino, Mond & Sterne“. Internationale Food-Trucks, dahinter ein kreisrundes Treppenareal, auf dem des Abends die Kinobesucher ihre Picknickdecken und Campingstühle ausbreiten. Gezeigt werden Blockbuster und Independent-Filme, und auch die tollen Filmtouren von Moving Adventures Medien mit Fokus auf Outdoorfilmen füllen im Frühling das Kino unterm Sternenhimmel.

Das Schöne ist: Dank der Lage im Süden kann man in München auch prima im Frühling oder Herbst viel Zeit in den schönen Parks und Rooftop-Bars verbringen!

Tollwood-Festivals – immer was zu feiern

Ballons am Himmel des Tollywood Festivals
Mekawy/ Shutterstock.com

München ist die Stadt der Festivals! Ein besonders schönes von ihnen ist das Tollwood-Festival – gleich zweimal im Jahr. Die Sommervariante findet im Olympiapark statt, im Winter werden auf der Theresienwiese für vier Wochen die Zelte zum Weihnachtsmarkt aufgeschlagen. Das Programm gestaltet sich bei beiden Festen ähnlich und basiert auf drei Programmpunkten: Beim Markt der Ideen werden Projekte vorgestellt, Besucher zum Nachdenken und Mitmachen animiert. Es gibt z. B. fiktive Shops und Spiele, die auf Rassismus und andere Missstände in der Gesellschaft aufmerksam machen. Natürlich darf auch eine gute Gastronomie nicht fehlen – und die ist auf dem Tollwood-Festival ausschließlich biozertifiziert. Und zuletzt das Kulturprogramm, das aus Musik, Theater, bildender Kunst und allerlei Performances besteht. Von Jazzkonzerten bis zu Theatergruppen auf Stelzen ist alles vertreten. Ein tolles Festival! Viele Programmpunkte sind kostenfrei

Hey-Minga-Touren – oldschool mit den Locals unterwegs

Die Münchner nennen ihre Stadt gerne liebevoll Minga. Und die möchten sie Besuchern zeigen. Deswegen cruisen die jungen Guides von Hey Minga mit historischen VW-Bussen durch die Straßen und zeigen Touristen und Locals die schönsten Ecken abseits vo Marienplatz und Co. Bei spannenden Informationen lernt man hier auch als München-Kenner noch ganz viel Neues über die Stadt. Start ist im Werksviertel Mitte, gestoppt wird am Bahnwärter Thiel oder z. B. in Untergiesing. 

Museum of Urban and Contemporary Art – Banksy-Fans aufgepasst

Ende 2016 hat Deutschlands erstes Museum für Streetart eröffnet – und das im Herzen der Münchner Innenstadt. Schon von außen weisen Murals den Weg zum Museum of Urban and Contemporary Art (kurz MUCA). Zugegeben, die privat initiierte Ausstellung ist (noch) vergleichsweise klein, aber für Streetart-Fans gibt es ein paar echte Highlights. Zum Beispiel zeigte das Museum vergangenes Jahr die größte Banksy-Dichte in Deutschland, auch Liebhaber großformatiger Porträt-Fotografien kommen voll auf ihre Kosten. Die Ausstellungen wechseln, die Webseite informiert über aktuelle und kommende Projekte. Auch in Workshops können sich Groß und Klein selber kreativ austoben. Persönlicher Tipp: Unbedingt im Museumsrestaurant vorbeischauen! 

Kunst aus dem Museum MUCA
MUCA

Auf den Olympiaturm – Aussicht auf München

Im Norden Münchens ragt auf dem ehemaligen Olympiagelände der fast 300 Meter hohe Fernsehturm in den Himmel. Mit einem Aufzug können Besucher auf die offene Aussichtsplattform auf 190 Metern fahren. Von dort oben blickt man auf den wunderschön angelegten Olympiapark und die Stadt dahinter. Auch das Olympische Dorf, in dem sich 1972 die tragisch endende Geiselnahme abspielte, ist gut erkennbar. Ein Pavillon im Park gedenkt der Opfer und zeigt den Tathergang. Wer möchte, kann im Olympiaturm im Drehrestaurant 181 mit Rundumblick auf München speisen und anschließend im Park oder auf einem Bötchen auf dem Olympiasee die Seele baumeln lassen.

Aussicht auf den Olympiapark
Claudio Cassaro/ Shutterstock.com
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