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Der Mummelsee im Schwarzwald liegt in einer bewaldeten Mulde, am Ufer steht ein Berghotel mit rotem Dach. Von einem Aussichtspunkt zwischen Tannen reicht der Blick über die Höhenzüge bis zum Horizont.
Foto: Klaus Hansen/Schwarzwald Tourismus

Sagenhafter Süden: 7 mystische Orte in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg ist ein Land der Technik und des Fortschritts. Doch der Süden hat auch eine mystische, sagenumwobene Seite. Von den Höhen des Schwarzwalds bis in den Hegau. Diese Orte in Baden-Württemberg sind besonders sagenhaft.

Gute Gruselgeschichten und mystische Märchen gehören zu den ältesten Geschichten, die wir uns als Menschen weitererzählen. Und gerade Baden-Württemberg ist alles andere als arm an Sagen. Einige davon sind an ganz konkrete Orte gebunden, die sich noch heute besuchen lassen. Aber Vorsicht: Vielleicht laufen Ausflügler und Wanderer dabei einer Sagengestalt über den Weg.

Burgruine Dilsberg: Wo Bauern einen Angriff mit Bienen abwehrten

Die Burgruine Dilsberg in Neckargemünd ist nicht nur ein echtes Postkartenmotiv. Nein, das uralte Gemäuer ist auch Schauplatz mancher Sagen. So etwa jene von der „Rose vom Dilsberg“. Gleich zwei liebestolle Verehrer sollen hier einst um die Hand der Tochter des Grafen Heinrich von Dilsberg angehalten haben. Doch das Liebesglück sollte niemals blühen, denn der Abgewiesene der beiden Männer soll noch während der Hochzeitsvorbereitungen den auserwählten Verehrer aus dem Hinterhalt erschlagen haben. Die Tochter des Grafen stürzte sich daraufhin vor Trauer von der Burgmauer. Den Ort markiert heute noch ein Rosenstrauch mit weißen Blüten.

Die Burgruine Dilsberg unterm roten Abendhimmel
Foto: Sina Ettmer Photography/Shutterstock.com

Eine weitere Sage von der Ruine Dilsberg handelt von den tapferen Bauern aus der Region. Die sollen dereinst einen Angriff auf die Burg mit ungewöhnlichen Mitteln verhindert haben. Indem sie ihre Bienen in den Kampf schickten. Noch heute erinnert daran das „Bienengärtlein“ an der Stadtmauer.

👉 Hier geht’s zur Website der Burgfeste Dilsberg.

Esslingen: Der Postmichel erschien 50 Jahre lang mit dem Kopf unter dem Arm

Dass das Mittelalter eine Fundgrube mitreißender Sagen ist, zeigt auch die Fachwerkstadt Esslingen. Dort wurde im Jahr 1491 der wohlhabende Bürger Amandus Marchthaler erschlagen. Der Mörder konnte nicht gefunden werden. Zwei Jahre später war der Postreiter Michel in der Region unterwegs und fand auf dem Weg Richtung Esslingen einen goldenen Siegelring am Wegesrand und steckte ihn sich an den Finger. Als er damit in die Stadt ritt, erkannten die Esslinger den Ring gleich als jenen des ermordeten Bürgers Marchthaler und bezichtigten den Postmichel kurzerhand des Mords. Der Postreiter wurde verurteilt und enthauptet.

Untersicht auf die Stadtkirche St. Dionys in der Esslinger Altstadt, rechts daneben ein Fachwerkhaus mit roten Fensterläden über einem Sockel aus Sandstein. Der Platz davor ist mit Kopfstein gepflastert.
Foto: Oliver Raatz/TMBW

Doch sein Geist konnte ob dieses Unrechts nicht ruhen. Jedes Jahr aufs Neue erschien der zu Unrecht hingerichtete Michel als Geist, den Kopf unter den Arm geklemmt, vor dem Haus des Richters, ließ sein Horn erklingen und verschwand wieder. Erst 50 Jahre später, geplagt von Schuldgefühlen, gab sich der Neffe des Amandus Marchthaler als Mörder zu erkennen und verstarb kurz danach. Damit war der Geist des Postmichels befriedet und ward fortan nicht mehr gesehen.

Noch heute zeigt ein Brunnen in der Fischbrunnengasse auf mehreren Reliefs die Sage des Postmichels. Auch eine lokale Narrenzunft trägt seinen Namen.

Burg Teck: Die weise Sibylle fuhr im Feuerwagen davon

Es muss ja nicht jede Sage in Mord und Totschlag enden. Obwohl die Legende der weisen Sibylle jetzt auch keine Komödie ist. Die weise Frau soll einst im „Sybillenloch“ gelebt haben, einer Höhle unterhalb der Burg Teck. Hier war sie Ansprechpartnerin für die Bevölkerung, half den bedürftigen Menschen mit ihren seherischen Kräften und weisen Ratschlägen. Der komplette Gegensatz waren leider ihre drei Söhne, die raubend durch das Tal zogen und die Bevölkerung terrorisierten. Aus Scham über ihren Nachwuchs wandte Sybille sich daher von ihnen ab und fuhr mit brennendem Schopf in einem feurigen Wagen, der von Wildkatzen gezogen wurde, in die Luft und für immer davon. Dort aber, wo ihr Wagen die Erde berührt haben soll, wächst das Getreide bis heute besonders gut. Ein letzter Segen für das Tal.

👉 Hier geht’s zur Website der Burg Teck. Der Trutzbau ist ein hervorragender Ort für einen Sonntagsausflug oder eine zünftige Wanderung.

Der Eingang zur Höhle Sibyllenloch unterhalb der Burg Teck bei Owen. Zwischen hellen Kalkfelsen und herbstlich gefärbtem Laub führen Stufen mit Metallgeländer in den dunklen Spalt.
Foto: Andreas Weise/TMBW

Blautopf: Warum das Wasser so unwirklich blau leuchtet

Schon beim ersten Blick auf den Blautopf wird klar, warum sich um den Quellteich zahlreiche Sagen ranken: Das Gewässer wirkt so unglaublich blau, dass es fast hingemalt sein könnte. Den Dichter Eduard Mörike inspirierte der Anblick zur „Historie von der schönen Lau“. Demzufolge soll am Grunde der Quelle eine Nixe leben, die von ihrem Mann dorthin verbannt worden war. Unglücklich und reizbar, verursachte sie unheilbringende Überschwemmungen entlang der Blau. Erst als sie aus dem Brunnen im Keller eines Gasthauses eine Wirtsfamilie belauscht hatte und dadurch herzlich lachen musste, fand sie zu ihrem wahren Wesen zurück und war wieder frei. So kehrte die Nixe entlang der Blau über die Donau ins Schwarze Meer zurück.

Die Karstquelle Blautopf bei Blaubeuren mit türkisblauem Wasser. Unter der Oberfläche sind bemooste Steine zu erkennen, ringsum steht dichter Laubwald.
Foto: Gregor Lengler/TMBW

Der Grund für das blaue Wasser ist wesentlich banaler, aber nicht weniger faszinierend. Durch den Untergrund, aus dem die Blau entspringt, schwimmen zahlreiche Kalkpartikel im Wasser. Und die reflektieren besonders die kurzen, blauen Lichtwellen stärker als andere. Aufgrund seiner Tiefe von 21 Metern sowie nicht sichtbaren Strömungen ist der Blautopf für Schwimmer und Taucher gesperrt. Doch auch vom Ufer ist er herrlich anzusehen.

Nordrach: Dieses Dorf feiert seinem Gespenst zu Ehren einen ganzen Monat

Achtung, es wird ein bisschen gruselig. Im Waldgebiet Moos in der Nähe der Schwarzwälder Gemeinde Nordrach soll nächtens eine vermummte Gestalt umherstreifen: der „Moospfaff“. Wer genau das ist, da sind sich die Sagen uneins. Mal ist der stille Wanderer ein Mönch des Klosters Gengenbach, der freiwillig den Tod wählte. Dann wieder ist der „Moospfaff“ ein Gengenbacher Abt, der die irdische wie auch die himmlische Gerichtsbarkeit täuschen wollte und nun auf ewig im Halbleben dafür sühnen muss

Die Nordracher jedenfalls sind Riesenfans ihres unheimlichen Maskottchens. So sehr, dass der Oktober jedes Jahr zum „Moospfaffmonat“ ausgerufen wird, in dem sich alles um die Sagengestalt dreht. Das ganze Jahr über können Besucher im Ort außerdem Moospfaffkugeln, die Moospfafftorte oder den Moospfafflikör genießen. Hoffentlich kriegt der „Moospfaff“ auch was von dem Kuchen ab.

Mummelsee: Die tragische Sage von der tanzenden Wassernixe

Die Sage von den „Mümmlein“, die dem Mummelsee im Schwarzwald ihren Namen geben, könnte tragischer nicht sein. Im stillen See sollen nämlich in mondhellen Nächten die „Mümmlein“, tanzende Wassernixen, zu sehen sein. Früher halfen die Wasserfrauen den Talbewohnern auch tagsüber, mussten aber auf Anordnung ihres Königs zum Einbruch der Nacht wieder in den See zurückkehren, an dessen Grund sie ein kristallenes Schloss bewohnen.

Blick von oben auf einen umwaldeten See mit einem großen Haus am Seeufer. Im Hintergrund sind die Berge des Schwarzwalds zu sehen.
Der Mummelsee im Schwarzwald | Foto: phoelixDE/Shutterstock.com

Eine der Mümmlein verliebte sich aber so sehr in einen Bauernsohn, dass sie beim Tanz mit ihm während eines Dorffests ganz die Zeit vergaß. Zu spät wurde ihr der Irrtum bewusst, zu spät erreichte sie den Mummelsee und das Schloss im Wasser – und wurde für ihr Vergehen mit dem Tod bestraft. Der Sage nach konnten die Dorfbewohner kurz darauf eine blutrote Welle im See aufbranden sehen.

👉 Hier geht’s zur Website der Erlebniswelt Mummelsee.

Hegau: Warum der Poppele bis heute durch die Region spukt

Die Menschen konnten in früheren Zeiten einer guten Sage mit einem Fünkchen Gewalt anscheinend einfach nicht widerstehen. Und vielleicht sind wir mit unserer True-Crime-Obsession heute nicht so weit davon entfernt. Die Sage des „Poppele“ jedenfalls hat es ebenfalls in sich. Der fast schon niedliche Name geht auf den Burgvogt Popolius Maier zurück, der seine Gegner und Gläubiger in finsteren Verliesen schmoren ließ und sogar einen Mann des Geistes, einen Abt, eingekerkert haben soll. Der verwünschte den grausamen Vogt daraufhin.

Blick über die Vulkanlandschaft des Hegau im Abendlicht. Im Vordergrund erhebt sich ein bewaldeter Kegelberg mit Mauerresten auf dem Felsplateau, dahinter liegt der Hohentwiel mit seiner Festungsruine im Dunst.
Foto: Achim Mende/TMBW

Der Abt prophezeite dem Vogt, dieser werde nach seinem Tod und nachdem seine Burg schon lange in Trümmern liege, rastlos durch den Hegau spuken. Und dabei die Menschen im Land mit kleinen Unglücken überziehen, auf dass sie ewig den Namen des Vogts verfluchen werden. Es dauerte nicht lange nach diesem Fluch, bis der Poppele tatsächlich vom Pferd stürzte, sein Leben ließ – und bis heute im Hegau sein Unwesen treibt.