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Silhouette einer jungen Frau, die mit einem Besen zwischen den Beinen vor der untergehenden Sonne in die Luft springt. Es sieht aus, als würde sie auf dem Besen fliegen.
Foto: Sergiy Bykhunenko / shutterstock

Walpurgisnacht: Diese Bedeutung steckt wirklich dahinter

Der 1. Mai ist ein besonderer Tag. Nicht nur ist er in Deutschland ein Feiertag. Am Vorabend wird überall in Deutschland der Tanz in den Mai gefeiert. Aber was ist eigentlich die Bedeutung der Walpurgisnacht? Und wie passt der Tag der Arbeit da rein?

Warum wird Walpurgisnacht gefeiert?

Vielleicht kennen manche noch die Legende: In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai fliegen die Hexen auf ihren Besen zum Blocksberg und tanzen dort mit dem Teufel. Es ist die Walpurgisnacht. Aber warum heißt die eigentlich so?

Blick auf den Hexentanzplatz bei Thale im Harz
Sieht eigentlich ganz friedlich aus, der Harz. | Foto: Daniel Doerfler / shutterstock

Hinter dem Namen steckt nicht etwa eine Hexe, sondern eine Heilige. Nämlich die heilige Walburga, was früher auch gerne „Walpurga“ geschrieben wurde. Sie war eine Nonne im heutigen England, die im 8. Jahrhundert gelebt und im 9. Jahrhundert heiliggesprochen wurde – und zwar am 1. Mai! Im Mittelalter wurde in der Nacht davor häufig eine Vigilfeier abgehalten, also ein Nachtgebet um Mitternacht. Heute gilt zwar der 25. Februar als Gedenktag der Heiligen, die Nacht zum 1. Mai bleibt aber weiterhin Walpurgisnacht.

Warum feiern die Hexen am Blocksberg?

Tatsächlich hat die Heilige Walburga mit Hexen also absolut nichts am Hut. Wo kommen die zauberkundigen Besenreiterinnen nun aber ins Spiel? Die Antwort auf diese Frage liegt im Volksglauben und der Literatur.

Ein Holzstich zeigt zahlreihe Frauen, die gemeinsam mit gehörnten Dämonen um einen Berg tanzen.
Die Walpurgisnacht in Johann Praetorius‘ Werk „Bloks Bergs Verrichtung“

Der Glaube an übernatürliche Mächte und zauberkundige Frauen geht in Europa viele Jahrhunderte zurück. Darstellungen von Frauen, die auf Besen reiten oder mit dem Teufel tanzen, gab es schon im Mittelalter. Besonders stark aber war der Glaube an Hexen in der Frühneuzeit ausgeprägt, also zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. In einem Buch des Schriftstellers Johann Praetorius findet sich dann erstmals die Erwähnung des Brockens im Harz, der auch Blocksberg genannt wird.

Der Schilderung des Autors nach sollen die Hexen in der Walpurgisnacht dort mit dem Teufel tanzen. Die bereits vorhandenen Vorstellungen von Hexen wurden von Praetorius so konkret mit der Walpurgisnacht und dem Brocken in Verbindung gebracht. Laut seiner Beschreibung habe der Teufel das Fest der Heiligen Walburga überschatten wollen und deshalb diese Nacht gewählt. Unterstützt wurde diese Vorstellung noch dadurch, dass in der Nacht zum 1. Mai tatsächlich überall in Europa Maifeiern zur Begrüßung des Frühlings abgehalten wurden. Vermutlich ein traditionelles Überbleibsel vorchristlicher Zeiten. Und spätestens mit der Beschreibung der Walpurgisnacht in Goethes „Faust I“ war die Legende nicht mehr wegzudenken.

Auf einem Pfahl an einem Waldweg ist die Silhouette einer fliegenden Hexe aufgesprüht. Im Hintergrund wandern zwei Menschen auf dem Weg.
Foto: Lars Gerhardts / Tourismus Marketing Niedersachsen GmbH

Eine erste tatsächliche Feier am Brocken hat dann erst 1896 der Buchhändler Rudolf Stolle ausgerichtet. Geladen waren allerdings nur männliche Gäste. Heute wird die Walpurgisnacht insbesondere im Harz, also direkt am Brocken, weiterhin gefeiert. Eine der größten Feiern steigt in Braunlage: Ab 18 Uhr bewegt sich ein großer Walpurgisumzug durch den Ort, bei dem die Menschen allerlei schaurige Kostüme tragen. Ab 19 Uhr beginnt im Kurpark dann eine große Feier mit Live-Bands und Feuershow. Und spät in der Nacht wird auf der schwimmenden Bühne im Kurparkteich ein Teil von Goethes „Faust“ aufgeführt, bevor ein großes Feuerwerk die Walpurgisnacht beendet.

👉 Hier gibt’s mehr Informationen zur Walpurgisfeier in Braunlage auf der Tourismuswebsite des Harz.

Was hat die Walpurgisnacht mit dem Tanz in den Mai gemeinsam?

Der Tanz in den Mai, wie ihn heute Menschen in vielen Orten in Deutschland feiern, hat also mit der Walpurgisnacht als Hexenfeier nur wenig zu tun. Gefeiert wird bereits seit Jahrhunderten die Ankunft des Frühlings. In vielen kleineren Städten und Gemeinden, nicht nur in Deutschland, gehört auch das Aufstellen eines Maibaums zur Tradition. Dazu wird ein Baumstamm in der Ortsmitte aufgestellt, der häufig aufwendig geschmückt ist. Mit bunten Flatterbändern und einem grünen Kranz. Um den Maibaum herum gibt es dann einen fröhlichen Tanz. In manchen Regionen werden auch Maifeuer entzündet, ähnlich wie zu Ostern.

Zwei aufwendig geschmückte Maibäume strecken sich in den blauen Himmel.
Foto: FooTToo / shutterstock

In einigen Regionen in Deutschland ist außerdem das Aufstellen sogenannter „Liebesmaien“ üblich. Traditionell stellen junge Männer einer Stadt oder eines Dorfes in der Nacht zum 1. Mai einen geschmückten, kleinen Baum – oft eine junge Birke – vor dem Haus ihres Schwarms auf. Oft ist am Baum noch ein Herz mit dem Namen der Liebsten angebracht. Im Schaltjahr hingegen sind es die Frauen, die den Baum aufstellen. Mittlerweile allerdings, wir leben schließlich im 21. Jahrhundert, sind die „Regeln“ dahingehend nicht mehr so streng. Wer einen Maibaum aufstellen will, macht das einfach.

Und warum ist der 1. Mai der Tag der Arbeit?

Dass der 1. Mai als Tag der Arbeit ein gesetzlicher Feiertag ist, hat nichts mit der Walpurgisnacht oder dem Tanz in den Mai zu tun. Auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationale im Jahr 1889, einem internationalen Zusammenschluss sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien, wurde der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen. Dies geschah im Gedenken an acht zum Tode verurteilten Demonstranten, die bei den „Haymarket Riots“ 1886 in Chicago festgenommen worden waren.

In Deutschland haben die Nationalsozialisten dann den 1. Mai im Jahr 1933 zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Perfiderweise einen Tag bevor sie die Gewerkschaften in Deutschland gleichgeschaltet oder aufgelöst haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Maifeiertag 1946 aber durch die Alliierten bestätigt und ist seitdem Feiertag geblieben.

Die Demonstration "Revolutionärer Erster Mai" in Berlin 2025, mit vielen Transparenten.
Die Demonstration „Revolutionärer Erster Mai“ in Berlin 2025 | Foto: mo photography / shutterstock

In vielen Städten in Deutschland finden am 1. Mai Demonstrationen statt, häufig organisiert von Parteien oder Gewerkschaften. Meist protestieren die Demonstranten für bessere Arbeitsbedingungen. Dabei kommt es auch immer wieder zu Krawallen und Zusammenstößen zwischen Protestierenden und der Polizei, besonders in Hamburg, Berlin und Leipzig.

Häufige Fragen

Warum heißt es Walpurgisnacht?

Die Nacht auf den 1. Mai ist nach der Heiligen Walburga benannt.

Warum tanzen die Hexen in der Walpurgisnacht?

Der Hexentanz ist eine Erfindung des Schriftstellers Johannes Praetorius.

Warum gibt es den Tanz in den Mai?

Der Tanz in den Mai entspringt vermutlich vorchristlichen Traditionen, mit denen der Frühling begrüßt wurde.