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Drohnenansicht der Stadt Heidelberg, links im Vordergrund das Schloss, darunter im Tal die Altstadt und dann der Neckar. Aufgenommen an einem sonnigen Sommertag.
Foto: Gideon Ikigai / shutterstock

Heidelberg abseits des Schlosses: Tipps für die Stadt am Neckar

Wundervolle Altstadt, lebendiges Studileben und Wiege der Romantik: Nicht ohne Grund ist Heidelberg eine der am meisten von Touristen besuchten Städte in Deutschland. In der pittoresken Universitätsstadt reichen sich weltberühmte Sehenswürdigkeiten und nicht minder sehenswerte Geheimtipps die Hand. Und zweimal im Jahr steht das Schloss bei der Heidelberger Schlossbeleuchtung in Flammen. Was du am Neckar nicht verpassen solltest, verraten wir hier.

Heiliggeistkirche Heidelberg: Was die Brezeln in der Außenmauer bedeuten

Es gab einst einen Pfälzischen Erbfolgekrieg. Der war gravierend für Heidelberg. Das zeigt sich schon daran, dass neben dem Hotel Zum Ritter nur die gotische Heiliggeistkirche, unmittelbar am Marktplatz, dieses Ereignis überlebte. Und ja, auch auf die Gefahr hin, dass jemand jetzt mit den Augen rollt: Die Kirche ist absolut sehenswert. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfüllte sie nicht nur religiöse Funktionen, sondern auch weltliche. So war sie Festsaal der Universität und auch Aufbewahrungsort der einst bedeutendsten Büchersammlung Europas: der Bibliotheca Palatina. Die Schriftstücke befanden sich auf den Emporen, was sowohl die eigentümliche Breite der Seitenschiffe als auch die Enge des Kirchenschiffs erklärt. 

Wer mit Kindern kommt, kann ein kleines Suchspiel spielen: Wer findet etwas Essbares in der Außenmauer? Es hilft, direkt bei den Verkaufsständen zu schauen. Dort sind nämlich unterschiedlich große Brezeln eingraviert, mit denen die Käufer einst prüften, ob ihre Brezel dem gültigen Mindestmaß entsprach.

Heiliggeistkirche | Hauptstr. 189 

Die Heidelberger Schlossbeleuchtung

Nochmal kurz zu diesem Erbfolgekrieg: Wie bereits erwähnt wurde die Stadt gleich zweimal innerhalb weniger Jahre mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht. Das liegt nun aber schon einige Jahrhunderte in der Vergangenheit und die braven Heidelberger sind deshalb nicht mehr gram. Stattdessen gedenken sie der doppelten Zerstörung zweimal jährlich mit der Heidelberger Schlossbeleuchtung.

Das Heidelberger Schloss, während der Schlossbeleuchtung in einem kräfigen Rot angestrahlt.
Foto: Heidelberg Marketing

Zu diesen Terminen wird das Wahrzeichen der Stadt nach Einbruch der Dämmerung mit bengalischem Feuer in ein fast schon unheimliches, rotes Licht getaucht. Dem voraus geht ein lautes Kanonenfeuer, das an den Angriff der Franzosen gemahnt. Nach diesem Spektakel folgt gleich das zweite in Form eines Feuerwerks, das an den Einzug der englischen Prinzessin Elisabeth Stuart erinnert, die 1613 vom Kurfürsten Friedrich V. als seine Gattin in die Stadt geführt wurde.

Drohnenansicht der Stadt Heidelberg, links im Vordergrund das Schloss, darunter im Tal die Altstadt und dann der Neckar im Abendlicht. Über dem Fluss explodiert gerade ein Feuerwerk.
Foto: Heidelberg Marketing

Von zwei Orten haben Schaulustige die beste Sicht: Da ist zum einen der Philosophenweg, der übrigens zu jeder Jahreszeit einen Abstecher wert ist. Wer ein paar Höhenmeter in Kauf nimmt, wird mit einem Blick auf das Heidelberg-Postkartenmotiv mit Schloss, Altstadt, Neckar und Alter Brücke belohnt. Alternativ buchen Besucher sich auf einer Sonderfahrt der Weißen Flotte ein und genießen die Show vom Neckar aus. Doch auch von der Neckarwiese, vom Marktplatz, vom Kornmarkt oder von einer der zahlreichen gastronomischen Betriebe aus bleibt die Schlossbeleuchtung im Gedächtnis.

Heidelberger Schlossbeleuchtung | 11.07. + 05.09.2026

Zeughaus-Mensa: Preisgekrönt essen für wenig Geld mitten in Heidelberg

Noch einmal in alte Studienzeiten verfallen und in einer Mensa essen gehen? Wenn schon, dann hier! Denn die Zeughaus-Mensa im Marstall ist mehrfach preisgekrönt. Am Buffet lässt sich das Menü nach eigenem Geschmack zusammenstellen. Die Preise sind unschlagbar gut, bezahlt wird nach Gewicht, und das geht nicht auf Kosten des Geschmacks. Die einnehmende Studi-Atmo ist eh gratis und wer in den Sommermonaten vorbeischaut, kann auch im schönen Innenhof speisen und/oder Bierchen trinken.

Der Innenhof des Marstalls in Heidelberg, in dem heute eine der Mensen untergebracht ist
Foto: Tobias Schwerdt

Zeughaus-Mensa | Marstallhof 3

Deutsches Verpackungsmuseum: Das unterschätzte Museum direkt an der Hauptstraße

Wir hier im Verlag haben ein besonders enges Verhältnis zu Verpackungen. Denn wir machen tatsächlich auch ein Fachmagazin über das Verpackungswesen, packaging journal heißt das. Und ja, Verpackungen fassen wir jeden Tag an, aber befassen tun wir uns damit kaum. Deshalb waren wahrscheinlich auch die wenigsten Einheimischen im Verpackungsmuseum. Dabei befindet sich der Eingang des Deutschen Verpackungsmuseums direkt an der Hauptstraße: Durch den Innenhof geht es zur ehemaligen Notkirche, in der das kleine Museum untergebracht ist. Zu sehen gibt es Verpackungsklassiker der gängigen, großen Konsumentenmarken wie etwa Nivea, Coca-Cola, Persil, Milka, Odol  – und wir versprechen, dass nicht nur wir die Zeitreise spannend finden. Jeder Grafik- und Designinteressierte wird hier seine helle Freude haben. 

Besucherin in deutschem Verpackungsmuseum, einer unserer Tipps für Heidelberg
Foto: Tobias Schwerdt

Deutsches Verpackungsmuseum | Hauptstr. 22

Super-Süßigkeiten im Heidelberger Zuckerladen

Der Zuckerladen ist eine echte Institution in Heidelberg. Nicht nur, aber inbesondere für alle, die gerne Süßigkeiten futtern. Denn der Name ist in dem urigen Geschäft absolut Programm. Zur Auswahl stehen nicht nur geläufige Wald-und-Wiesen-Leckereien, die es auch in jedem x-beliebigen Supermarkt gibt, nein, nein. Hier ist richtig, wer Toffee nach Gewicht vom Block kaufen will und wer auf der Suche nach importierten Spezialitäten ist. Absolutes Highlight ist aber die Riesenwand mit einzelnen Süßigkeiten, Bonbons und Fruchtgummis. Einfach die Tütengröße wählen und dann fröhlich mit dem Finger zeigen, was alles rein soll. Wie früher!

Heidelberger Zuckerladen | Neugasse 8–10

Sammlung Prinzhorn: 5.000 Werke aus psychiatrischen Anstalten – und warum sie faszinieren

Die Entstehung dieser Ausstellungsstücke ist nicht ganz so einfach zu erklären. Und es klingt in der Tat beim ersten Mal recht seltsam, wenn auch nicht minder spannend. Die Sammlung Prinzhorn bewahrt einen weltweit einzigartigen Bestand an Werken, die Patienten psychiatrischer Anstalten um die Wende zum 20. Jahrhundert schufen. Der Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn trug damals rund 5.000 Werke zusammen. Die Sammlung wächst aber stetig weiter. Jeweils 200 Arbeiten werden in einem ehemaligen Hörsaalgebäude der Neurologischen Klinik gezeigt.

Museum Sammlung Prinzhorn | Voßstr. 2

Café Deer: Frühstück bis 15 Uhr und Cocktails unter freiem Himmel

Brötchen mit verschiedenen Käsesorten reichen schon längst nicht mehr für ein Ausgehfrühstück aus. Die leckeren Frühstückskreationen im Deer gibt es immerhin bis zum Nachmittag (15 Uhr!) und die sind alles andere als langweilig. Das freut natürlich die Instagram-Seele, die gern ihr Essen fotografiert. Und hier gibt es wenigstens etwas zu sehen. Alle Gerichte sind kunstvoll angerichtet und fast zu schade zum Essen. Am Abend trifft man sich zum Signature Cocktail unter freiem Himmel im Außenbereich. 

Café und Bar Deer | Friedrich-Ebert-Anlage 1

Neckarfähre Heidelberg: Mit der Liselotte von der Pfalz die Stadt neu entdecken

Ähnlich wie in New York – da sollten Touris doch auch immer besser die Fähre nehmen als die teuren Ausflugsboote – empfiehlt es sich auch in Heidelberg, mit der „Liselotte von der Pfalz„, die Stadt von der Wasserseite aus zu erkunden. Die Neckarfähre ist preiswert und lässt sich wunderbar in jede Stadtbesichtigung einschieben. Die Fahrt ist nämlich kurz und knackig, aber vermittelt ein wunderbares Urlaubsfeeling! Aus der Altstadt (Anlegestelle Stadthalle) zum Marriott Hotel und zurück bis zur Alten Brücke.

Am Ufer des Neckars in Heidelberg liegt ein Schiff mit der Aufschrift "Liselotte von der Pfalz"
Foto: Thomas Vennen

Galerie Grüner Engel: 280 Absinth-Sorten in einer Bar auf der Unteren Straße

Uiuiui – Absinth. Die Sünde im Glas. Das Elixier der Kunst. Ach, wir könnten da so manche Geschichte erzählen. Aber warum, wenn es in Heidelberg dafür die passende Spelunke gibt. Weltweit gibt es etwa 600 Sorten Absinth. 280 Varianten der berühmt-berüchtigten Kräuterspirituose sind in der Galerie Grüner Engel auf der Ausgehmeile Untere Straße zu bekommen. Nur zur Beruhigung: Die Wirkung des heutigen Absinths ist nicht mehr so gefährlich wie damals. Oder etwa doch? Ach, und der Laden selbst ist auch einen Besuch wert. 

Absinth serviert in einem Shotglas
Victor Moussa/ Shutterstock.com

Galerie Grüner Engel | Untere Str. 14

Halle 02: Vom Güterbahnhof zum Kulturzentrum mit Biergarten

Der ehemalige Güterbahnhof heißt heute Halle 02 und ist der Hotspot für Kultur. Hier gibt es abends Konzerte, 90er-Partys oder Tanzbares quer durch alle Genres. Deswegen vorher unbedingt in den Veranstaltungskalender schauen. Nicht dass Indie statt Techno aus den Boxen dröhnt. Eins ist aber bei allen Partys gleich, das Publikum ist angenehm locker. Tagsüber werden die Hallen für kulturelle Events wie beispielsweise Kunstausstellungen und Flohmärkte genutzt. Und im Sommer lässt es sich mit einem Bier oder Eis super auf der Wiese neben der Halle oder im clubeigenen Biergarten „Kleine Freiheit“ entspannen.

Kunst- und Kultur-Location Halle02
Foto: Tobias Schwerdt

Halle 02 | Zollhofgarten 2