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Lost Places in Baden-Württemberg: Ruine des Wasserschlosses Menzingen in Kraichtal mit verwitterten Steinmauern, leeren Fensteröffnungen und einem Fahrrad im Vordergrund.
Foto: Kraichgau-Stromberg Tourismus e.V. / Lena Fuchs

Lost Places in Baden-Württemberg: 6 vergessene Orte mit Geschichte

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Rosalie Nkwetchou

Ein verlassenes Grandhotel im Schwarzwald, ein Dorf mitten auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz und ein Freibad, in dem längst niemand mehr schwimmt: Hinter diesen sechs Lost Places in Baden-Württemberg stecken ungewöhnliche Geschichten.

Früher checkten hier Hotelgäste ein, heute stehen die Zimmer leer. Andernorts erinnern nur noch Ruinen an prächtige Schlösser oder einst bewohnte Dörfer. Manche Gebäude überstanden Jahrhunderte, bis Bomben sie in Trümmer legten. Andere verloren mit der Zeit ihre Bedeutung und verfielen. Einige dieser Lost Places können Besucher heute selbst erkunden. Eine Spurensuche durch Baden-Württemberg.

Kurhaus Sand: Einst Luxushotel mit eigenem Skilift

Ein Grandhotel mit eigenem Skilift? Das gab es tatsächlich an der Schwarzwaldhochstraße. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich aus einer einfachen Schutzhütte unterhalb des Mehliskopfs das Kurhaus Sand. Einst gehörte das Gebäude zu den vornehmen Adressen im Schwarzwald. 1994 endete der reguläre Hotelbetrieb.

Aufnahme aus einem Schwarz-Weiß-Film; ein hölzernes Kurhaus in für den Schwarzwald typischer Architektur, davor einige Fahrzeuge. Aufgenommen etwa in den 1930ern.
Das Kurhaus Anfang der 1930er-Jahre | Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 028384e / Fotograf: Willy Pragher / CC BY 4.0

Im Inneren finden sich noch zahlreiche Spuren der Hotelzeit: Im Jagdzimmer hängen Geweihe an den Wänden, in den Gästezimmern stehen alte Möbel. Der gemeinnützige Verein Kurhaus Sand engagiert sich für den Erhalt des Gebäudes.

Das Kurhaus Sand lässt sich nur im Rahmen vereinbarter Führungen oder Veranstaltungen von innen besichtigen. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Auskunft zu Besichtigungsterminen gibt es telefonisch unter 01573/7299902. Mehr Informationen unter sites.google.com/view/kurhaus-sand/startseite und kulturerbe-schwarzwaldhochstrasse.de.

Gruorn: Warum hier niemand mehr wohnt

Jahrzehntelang gehörte das Gelände rund um Münsingen dem Militär. Panzer rollten über den Truppenübungsplatz, während das Dorf Gruorn langsam von der Landkarte verschwand.

Lost Places in Baden-Württemberg: Luftaufnahme der Kirche und des ehemaligen Schulhauses von Gruorn, umgeben von Wiesen, Wegen und herbstlich gefärbten Bäumen.
Foto: TMBW / Gert Krautbauer

Heute führen Wander- und Radwege zu den Überresten der Siedlung. Erhalten blieben die Kirche, der Friedhof und das ehemalige Schulhaus. Dort erzählen Infotafeln und ein kleines Museum vom Alltag der Dorfbewohner und ihrer Vertreibung. Im nahe gelegenen Albgut Münsingen haben derweil Hotels, Restaurants und Manufakturen die früheren Militärgebäude bezogen.

Kirche, Schulhaus und Museum öffnen von Ostern bis Allerheiligen dienstags bis sonntags ab 11 Uhr. Sonn- und feiertags beginnen um 14.30 Uhr kostenlose Geschichts- und Kirchenführungen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Mehr Informationen unter gruorn.info und albgut.de.

Wasserschloss Menzingen: Zur Strafe ein Schloss bauen

Gleich zweimal traf es das Wasserschloss Menzingen in Kraichtal schwer. Im Bauernkrieg brannten Aufständische die mittelalterliche Burg nieder. Ritter Peter von Menzingen ließ sie zwischen 1529 und 1539 im Renaissancestil wiederaufbauen. Ausgerechnet ein junger Steinmetz, der zuvor bei der Zerstörung mitgeholfen hatte, musste als Strafe zehn Jahre lang den Wiederaufbau leiten. Sein Steinmetzzeichen ist noch heute an der Anlage zu entdecken. 

Lost Places in Baden-Württemberg: Ruine des Wasserschlosses Menzingen in Kraichtal mit historischen Steinmauern und leeren Fensteröffnungen.
Foto: Ingrid Balabanova/Shutterstock.com

1945 traf ein Bombenangriff das Schloss und verwandelte es erneut in eine Ruine. Heute befindet sich das Gelände in Privatbesitz. Von einem Rastplatz außerhalb des Schlossgeländes können Besucher die Überreste betrachten.

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Schloss Marienwahl: Königliche Pferdeliebe bis ins Grab

Abseits der belebten Straßen von Ludwigsburg erinnern die Ruinen ehemaliger Pferdeställe an die württembergische Königsfamilie. Sie gehörten einst zu Schloss Marienwahl, das um 1824 nach Plänen des Architekten Ludwig Abel entstand. Ab 1878 zog sich Prinz Wilhelm von Württemberg mit seiner Familie hierher zurück, ehe er 1891 König wurde.

Die Ruine des Pferdestalls beim Landgut Marienwahl; ein quadratischer Bau aus Ziegeln, der weder Fenster, Türen noch Dach aufweist.
Foto: CC BY-SA 4.0/Musklprozz

In den 1880er-Jahren erhielt das Anwesen ein Gestüt. Zuletzt züchtete Wilhelms Tochter Pauline, Fürstin zu Wied, hier Pferde und ließ sich schließlich unweit ihrer geliebten Tiere beerdigen.

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Villa Moser: Die Ruine eines Schokoladenfabrikanten

Was haben Schokolade und eine verlassene Villa in Stuttgart gemeinsam? Eduard Otto Moser. Der Schokoladenfabrikant ließ sich in den 1870er-Jahren im Leibfriedschen Garten ein prächtiges Landhaus errichten. 1944 legte ein Luftangriff das Gebäude in Trümmer. 

Lost Places in Baden-Württemberg: Mit Graffiti besprühte Treppen und Laufstege der Kunststation Villa Moser im Stuttgarter Leibfriedschen Garten.
Foto: SMG / Sarah Schmid

Erst zur Internationalen Gartenbauausstellung 1993 tat sich auf dem Gelände wieder etwas. Für die Kunststation Villa Moser ließ Architekt Hans Dieter Schaal Laufstege zwischen den alten Mauern und Bäumen anlegen. Die denkmalgeschützte Anlage gehört zum Stuttgarter Grünen U.

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Waldbad Baienfurt: Erst Heilbad, dann Krimischauplatz

Für einen Fernsehkrimi kehrte 2025 noch einmal Leben ins verlassene Waldbad Baienfurt zurück. Das Team der Serie „Die Toten vom Bodensee“ drehte auf dem Gelände im Landkreis Ravensburg. Früher kamen die Menschen jedoch aus einem ganz anderen Grund hierher. Schon im 15. Jahrhundert nutzten sie den Ort als Heilbad. In den 1920er-Jahren entwickelte sich die Anlage zum beliebten Bade- und Veranstaltungsort. 

Mitte der 1970er-Jahre endete der Badebetrieb. Jahre später ging auch noch das Hauptgebäude in Flammen auf. Seitdem breiten sich auf dem Gelände Bäume und Sträucher aus. Besucher dürfen das Areal nicht betreten. Ein Investor plant allerdings, das ehemalige Waldbad mit einem Hotel und einem Gastronomiebetrieb wiederzubeleben.

Häufige Fragen zu Lost Places in Baden-Württemberg

Was sind Lost Places?

Lost Places sind verlassene oder nicht mehr genutzte Orte, die häufig Spuren ihrer Vergangenheit bewahrt haben. Dazu gehören ehemalige Hotels, Fabriken, Schlösser oder ganze Dörfer.

Welche Lost Places in Baden-Württemberg kann man besichtigen?

Das Kurhaus Sand öffnet gelegentlich für Führungen. Die Überreste des Dorfes Gruorn lassen sich über freigegebene Wanderwege erkunden. Die Ruinen des Wasserschlosses Menzingen lassen sich von einem Rastplatz außerhalb des Privatgeländes betrachten.

Darf man verlassene Gebäude einfach betreten?

Nein. Auch leer stehende Gebäude und Ruinen können sich in Privatbesitz befinden. Ohne Erlaubnis ist das Betreten nicht gestattet. Beim Waldbad Baienfurt gilt beispielsweise ein Betretungsverbot.