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Ein Schaf auf Sylt schaut genau in die Kamera. Im Hintergrund sind unscharf weitere Schafe zu erkennen.
Foto: Sylt Marketing

Schafe auf Sylt: Darum könntest du im Frühjahr in eine Herde geraten

Hör mal, wer da mäht! Auf der Nordseeinsel Sylt sind in jedem Frühjahr ganz besondere Truppen unterwegs: riesige Schafsherden. Was aber treiben die Tiere dort? Und was sollten Urlauber beachten, wenn sie den Schafen auf Sylt begegnen?

Was machen die Schafe auf Sylt?

Wer im Frühjahr regelmäßig auf Sylt unterwegs ist, dürfte mit dem Anblick großer Schafsherden vertraut sein. Die Tiere halten als lebendige Rasenmäher den Bewuchs der Landschaft der Nordseeinsel im Zaum. Und das ist einfach hübsch anzusehen! Da bleibt auch noch der kontrollierteste Norddeutsche kurz stehen. Aber warum sind die wolligen Vierbeiner in dieser Jahreszeit eigentlich auf der Insel unterwegs?

„Auf der Geestheide im Osten und der Inselmitte benötigt das vielfältige Ökosystem Heide Unterstützung, um gut zu gedeihen. Diese Arbeit leistet auf Sylt zu wichtigen Teilen die Wanderschafherde“, sagt Maike Belbe vom Landschaftszweckverband Sylt. Eine solche Herde bringt Uta Wree mit. Die Wanderschäferin und ihre 630 Fjordlandschafe sind alljährlich auf der Nordseeinsel unterwegs, sowohl in den Naturschutzgebieten in der Inselmitte als auch am Morsum-Kliff. Dort sind sie nicht nur Attraktion für Einheimische und Touristen, sondern verrichten vor allem einen wichtigen Dienst am Naturraum.

Eine Schäferin führt eine Herde Schafe an einem Nordseestrand entlang Richtung Kamera, rechts das Meer und links eine überwachsene Düne.
Schäferin Uta Wree mit ihrer Herde auf Sylt | Foto: Sylt Marketing

Die Tiere betreiben natürliche Landschaftspflege

Pro Tag fräsen die Fjordlandschafe zwischen neun und zwölf Kilogramm Sträucher, Kräuter und Buschwerk weg, die andernfalls die sensiblen Pflanzen der Heide überschatten und so absterben lassen würden. Und das pro Nase, auch an Wochenenden. Auf diese Weise pflegen die wandernden Wollknäuel die Heide, sorgen für eine Verjüngung des Bewuchses und fördern insgesamt die Entwicklung in dem Naturraum. Top!

„Die Schafe sorgen für Licht, verschaffen Bodenbrütern wie der Feldlerche freie Sicht und rücken sogar jungen Pflanzen der invasiven Rosa rugosa, der sogenannten Kartoffelrose, zu Leibe. Wir schaffen Strukturen wie Abbruchkanten für Schwalben, Eidechsen und bestimmte Insekten“, erklärt Schäferin Uta Wree. Außerdem dienen die Tiere quasi als Nahverkehr für Pflanzensamen und Insekten, die im Fell der Schafe auf der Insel verteilt werden und so zur Steigerung der Biodiversität beitragen.

Eine Herde Schafe grast auf einer Heide auf Sylt. Im Hintergrund ragt ein Reetdach aus einigen Bäumen hervor, dahinter das Meer.
Foto: Sylt Marketing

Begegnung mit Schafen: Worauf müssen Urlauber achten?

Wie aber sollten sich Urlauber verhalten, die dem mobilen Gärtnertrupp beim Spaziergang begegnen? In der Regel gilt – so schwer das fällt – bitte Abstand zur Herde halten, so flauschig die Tiere auch aussehen mögen. „Wir machen gerne Öffentlichkeitsarbeit. Aber nur, wenn alle versorgt und die Herde entspannt ist. Denn unsere Hauptaufgabe geht vor“, sagt Uta Wree. Insbesondere dann, wenn Urlauber mit Hund unterwegs sind. Der treue Vierbeiner sollte nach Inselvorschrift an den meisten Orten ohnehin angeleint sein, vor allem aber in der Nähe einer Herde. Zwischen Mitte März und Mitte Juli gilt die Leinenpflicht auch an der sonst für den Freilauf gedachten Fläche nordwestlich des Flughafens. Dann nämlich ist die Brutzeit vieler heimischer Vogelarten.

Hundebesitzer sollten außerdem darauf achten, dass sie die Hinterlassenschaften ihrer Tiere beseitigen. Denn zum einen kommen sonst unerwünschte Nährstoffe in den mageren Heideboden und zum anderen besteht ein Gesundheitsrisiko für die Schafe, wenn sie mit dem Hundekot in Kontakt kommen.

Auch aus der Ferne verströmt die Herde genau die Ruhe, nach der Meeresurlauber suchen. Kein Wunder, als echte Einheimische fügen sie sich ganz natürlich in die Landschaft. „Sie gehören hierher in dieses Klima, in diese Landschaft. Sie sind seit der Bronzezeit perfekt angepasst an die Natur“, so Uta Wree. Im Sommer sind ihre Tiere hier auf Sylt, aber auch an der Schlei unterwegs. Und das hoffentlich noch auf viele weitere Jahre.

🐑 Mehr Informationen zur Sylter Heide gibt’s auf der Website der Naturschutzgemeinschaft Sylt.