Foodies und Feinschmecker aufgepasst, markiert euch Bremen auf der Landkarte. Denn in der sympathischen Hansestadt wartet eine Köstlichkeit nach der anderen. Nur gut, dass Besucher mit dieser Vielfalt nicht allein gelassen werden. Ein überraschend befellter Fremdenführer weiß, wo es die besten Leckerbissen gibt…
Für Städtetrip-Fans dürfte dies keine Neugigkeit sein: Bremen lohnt sich! Die Stadt an der Weser, gut 60 Kilometer vor der Nordsee, ist so kompakt, dass sich fast alles zu Fuß erledigen lässt. Ob der Marktplatz – mit Rathaus und Roland, seit 2004 gemeinsam Teil des UNESCO-Welterbes –, der Schnoor – ein wunderbar uriges Handwerkerviertel aus dem 15. Jahrhundert –, oder die Überseestadt, wo die alten Speicher heute Bars, Röstereien und Ateliers beherbergen: Noch jeder Winkel der Stadt hält für Besucher Entdeckungen und Überraschungen bereit.
Das vielfältige Erbe Bremens als Hafen- und Hansestadt, in der jahrhundertelang mit Kaffee, Wein und Gewürzen gehandelt wurde, lässt sich heute aber auch kulinarisch erleben. Und im Schnoor läuft gerade eine Katze im Strickpulli über das Kopfsteinpflaster, mitten in der Gasse Wüstestätte. Sie ist eine der vier Stadtmusikanten. Eine Expertin für Genuss und sie weiß einfach, wo es lang geht.
Markthalle Acht: einmal alles, bitte
Los geht’s Am Domshof, in einem ehemaligen Bankgebäude, öffnet die Markthalle Acht ihre Schiebetüren. Drinnen: Oberlicht, Geschirrgeklapper, ein gutes Dutzend Stände. Koreanische Leckereien neben ghanaischen, ukrainischen neben vegetarischen, dazu Produkte aus dem Bremer Umland. Selbstbedienung, gemeinsame Tische, die Atmosphäre ist locker. Wer sich nicht entscheiden kann, teilt einfach die Portionen.
Ein Fischbrötchen gegenüber bei Fisch Bodes ist selbstverständlich ein Muss, da führt kein Weg dran vorbei. Danach aber steht der Katze der Sinn nach einem Wachmacher.

Kaffee, aber richtig
Bremen war 1673 die erste Stadt im deutschsprachigen Raum mit einem öffentlichen Kaffeehaus. In den 1920er-Jahren rösteten hier gleich mehrere hundert Betriebe. Geblieben sind ein paar sehr gute.
Lloyd Caffee röstet seit 1930 und sitzt im alten Kaffee-HAG-Werk am Holzhafen. Zum Röstereicafé gehört ein denkmalgeschützter Marmorsaal von 1914, weißer Carrara-Marmor, Jugendstil-Vitrinen, komplett kostenlos anzuschauen, wenn eine Führung läuft. Die Rösterei Münchhausen wiederum ist seit 1935 in Familienhand und arbeitet im Langzeitröstverfahren, lässt die Bohnen also über einen längeren Zeitraum und bei schonenderen Temperaturen ihr Aroma entwickeln, als bei der Industrieröstung. Gut Ding will eben Weile haben. In der Überseestadt und im Viertel kommen kleinere Betriebe dazu, mit Filterkaffee, Baristakursen und offenen Röstungen.

Süßkram mit Ortskenntnis
Nach dem Kaffee darf ein süßer Abgang nicht fehlen, und davon gibt’s in Bremen reichlich. Der Bremer Kluten ist ein Riegel aus Pfefferminzfondant, halb in Zartbitterschokolade getaucht, Rezept von 1865. Der Babbeler, erfunden 1886, ist eine mentholhaltige Zuckerstange in Papier, die es traditionell in Apotheken und Teegeschäften gibt. Beides absolute Spezialitäten, die in jede Hosentasche passen.
Der Klaben steht seit 1593 in den Bremer Akten: ein schwerer Hefeteig mit viel Butter und Frucht, rechteckig gebacken, mit Ei glasiert. In den Backstuben des Schnoorviertels entsteht er täglich frisch, zusammen mit Kaffeebrot und handgemachten Kluten. Genau dort, wo die Katze gerne spaziert.
Die charakteristischen Pflastersteine sind die Namenspaten für eine ganz besondere Leckerei. Früher nämlich hießen die runden Steine im Schnoor „Schnoorkuller“. Konditormeister Rudolf Dövener nahm den Namen und baute etwas Essbares daraus: eine Kugel aus Nussbaiser, innen Nougat, außen Vollmilchschokolade und geröstetes Nusskrokant. Es gibt sie in der Schnoorkonditorei, tütenweise. Aber Achtung: Sobald man begonnen hat zu naschen, schaffen die Schnoorkuller den Heimweg meistens nicht.

Unterm Rathaus wird es historisch
Doch lieber Lust auf einen feinen Tropfen? Sechs Meter unter dem Marktplatz liegt der Bremer Ratskeller, seit 1405 im Weingeschäft. Rund 650 deutsche Weine stehen hier, das weltweit größte Sortiment dieser Art. Dort ruht der älteste Fasswein Deutschlands, ein Rüdesheimer von 1653. Getrunken wird er nicht mehr. Wer danach Hunger hat, bestellt oben Knipp oder Labskaus, zwei Klassiker, die im Norden entweder geliebt oder gefürchtet werden.
Schlachte: der längste Biergarten der Stadt
660 Meter Promenade an der Weser, und im Sommer sitzt gefühlt halb Bremen draußen. Die Schlachte war jahrhundertelang der Hafen der Stadt. Der Name geht auf das niederdeutsche „slait“ zurück, die eingeschlagenen Holzpfähle, an denen die Kaufleute ihre Schiffe festmachten. 1250 steht das erstmals in einer Urkunde.

Gastronomie gibt es hier länger, als der Boulevard alt ist. 1822 saßen in etwa der Hälfte der Häuser Kaffee-, Bier- oder Weinschenken. Die heutige Promenade entstand bis zum Jahr 2000, seither reihen sich Terrassen, Imbisse und Schiffsgastronomie am Wasser. Preislich ist alles dabei, vom Fischbrötchen im Pappschälchen bis zum Menü an Deck.
Im Advent wird daraus der Schlachtezauber, ein Markt mit mittelalterlicher Kulisse, blauem Licht und Met in Tonbechern.
Bier, Kaffee und die fünfte Jahreszeit
Beck’s braut in Bremen seit 1873, dazu kommt eine Craft-Beer-Szene, die in Walle sogar eine Kaffeerösterei unter dem Dach einer Brauerei betreibt.
Im Herbst übernimmt der Freimarkt. Vom 16. Oktober bis 1. November 2026 läuft die 991. Ausgabe auf der Bürgerweide, rund 40 Fahrgeschäfte, Schmalzkuchen, gebrannte Mandeln und ein Umzug am 24. Oktober. Bremens fünfte Jahreszeit heißt „Ischa Freimaak“ und existiert seit 1035.
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