Beim Wandern denken die meisten Menschen wohl an Entspannung inmitten schönster Natur. Doch im Osten Bayerns gibt es einige Orte, an denen sich unheimliche Geschichten zugetan haben sollen. Wer mutig ist, geht zum Wandern auf eine dieser drei gruseligen Touren im Bayerischen Wald.
Die Rachelhex vom Rachelsee
Hach, so ein Waldsee ist einfach toll. Was der für eine Ruhe ausstrahlt! Da können gestresste Städter in Wanderstiefeln mal richtig den Alltag hinter sich lassen und ausspannen. So auch am wunderschönen Rachelsee, der herrlich still im Bayerischen Wald liegt. Oder?
Fast! Denn wer beim Wandern nicht aufpasst, könnte schnell der „Rachelhex“ über den Weg laufen. Und die ist ziemlich ungehalten. Als Gräfin Weklin terrorisierte sie einst ihre Bediensteten und ignorierte das Leid der armen Bevölkerung – so will es die Sage. Als sie schließlich starb, fing es im Schloss schnell an zu spuken und erst ein Priester konnte den ruhelosen Geist der Gräfin in den Rachelsee verbannen. Und hier spukt sie als „Rachelhex“ noch heute, sorgt für Stürme und gruselige Momente in der sonst so idyllischen Umgebung.

Wer den Zorn der Hexe nicht fürchtet, darf sich auf eine wunderschöne und gut machbare Wanderung freuen. Von der Bushaltestelle Racheldiensthütte aus führt ein knapp acht Kilometer langer Rundweg mit der Markierung „Buntspecht“ über den Rachelsee und bis zur Racheldiensthütte (geöffnet ab Mai und bis Ende der bayerischen Herbstferien).
👉 Alle Infos zur Wanderung auf der Tourismusseite des Bayerischen Walds.
Zu Tisch beim Teufel
An vielen Orten in Deutschland soll der Beelzebub zuhause oder zumindest einmal aufgetaucht sein. So auch bei Bodenmais im Bayerischen Wald. Hier steht noch heute der Teufelstisch, den der Leibhaftige der Sage nach einst aus einigen riesigen Felsbrocken aufstellte, um dort eine Mahlzeit einzunehmen. Doch das Glockengeläut einer nahegelegenen Glashütte verdarb ihm den Appetit und er machte sich davon. Den Tisch aber ließ er zurück.

Ob man dieser Sage nun Glauben schenken mag oder nicht, imposant ist das Naturdenkmal in jedem Fall. Von der Bushaltestelle Gasthaus Schäfflerhof in Habischried führt ein 5,6 Kilometer langer Rundwanderweg (Markierung: Nummer 3) in knapp zwei Stunden zum Teufelstisch und wieder zurück. Dabei werden gerade einmal 145 Höhenmeter fällig, die Wanderung ist also auch für Ungeübte gut machbar.
👉 Alle Infos zur Wanderung auf der Tourismusseite des Bayerischen Walds.
Verfluchter Vierbeiner
Immer aufpassen, was man sich wünscht. Beziehungsweise was man jemandem wünscht. Diese Lektion musste – der Sage nach – vor 200 Jahren ein etwas zu eifriger Jäger im Bayerischen Wald machen. Auf dem Weg zur Sonntagsmesse erspähte der einen Hasen und wollte das Tier mit der Flinte erlegen (und das am Sonntag!). Doch gerade, als er zum Schuss ansetzte, erklangen die Kirchenglocken und der Jäger musste zur Messe eilen.
Aus Zorn über den entgangenen Fang verfluchte der Jäger den Hasen – und hielt ihn plötzlich auf unerklärliche Weise im Arm. Doch war das Tier pechschwarz und hatte rotglühende Augen. Vor lauter Schreck ging der Jäger auf die Knie und bat um Vergebung. Die wurde gewährt, denn der Hase verschwand so schnell wieder, wie er gekommen war. Und heute erinnert ein Gemälde in der Wallfahrtskapelle Kohlstattbrunn bei Grainet an die Sage.

Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, wandert von Obergrainet aus über die Kapelle und bis zum Haidel-Aussichtsturm hinauf. Acht Kilometer ist die Tour lang, während der aber immerhin ein Anstieg von 470 Höhenmetern zu bewältigen ist. Zur Belohnung winken nicht nur die Kapelle, sondern oben angekommen auch ein phänomenaler Ausblick auf den Bayerischen Wald.





