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Graffiti mit Joseph Beuys als Motiv am Johann-Peter-Boelling-Platz
Tourismus NRW/ Johannes Höhn | Street-Art-Künstler: Philipp Kömen

Mit dem Fahrrad auf den Spuren von Joseph Beuys

Wer sich heute auf die Spuren von Joseph Beuys begibt, stößt auf einen Mythos, der von kraftvollen Aussagen und Widersprüchen geprägt wird. Der in Krefeld geborene Künstler (1921–1986) war avantgardistischer Visionär, provokantes Genie und begnadeter Selbstdarsteller in Personalunion. Kritiker unterdessen bemängeln biografische Lücken, ideologische Fragwürdigkeit und einen Hang zur Banalität. Stoff genug also für die Bildung einer dezidierten Meinung. 

Anlässlich des 100. Geburtstags von Joseph Beuys können Bewunderer und Kritiker Werk und Leben des Künstlers auf eine neue Art und Weise erforschen: im Fahrradsattel. Um dies zu ermöglichen, haben die Tourismusverbände seiner Wirkungsstätten die Beuys & Bike-Route ins Leben gerufen. Die knapp 300 Kilometer lange Strecke führt von Kleve in einer weiten Schleife durch das Rheinland und seine Ausläufer bis nach Leverkusen.  

Erstes Atelier in Kleve

Beuys wuchs in Kleve unweit der niederländischen Grenze auf. Im heutigen Museum Kurhaus hatte der Künstler als junger Mann sein erstes Atelier. Das war nach Beuys‘ Einsatz im Zweiten Weltkrieg, wo er über der Krim einen Flugzeugabsturz überlebte, den er in späteren Jahren zu mystifizieren begann. 

So erzählte Beuys, dass er von Tataren gefunden worden sei, die ihn acht Tage lang mit traditionellen Hausmitteln gepflegt hätten. Dazu gehörte die Salbung seiner Wunden mithilfe tierischen Fetts und das Warmhalten des Patienten in Filzdecken. Beide Materialien sollten bekanntlich zu den favorisierten Werkstoffen des späteren Weltkünstlers werden. Die Geschichte allerdings gilt heute als Fabel mit beispielhaftem Charakter für die Selbstdarstellung ihres Erzählers. 

Beuys-Archiv in Schloss Moyland

Gleichwohl ist bereits mit dieser Anekdote der Ton für die ungewöhnliche Tour auf der Beuys & Bike-Route gesetzt. Nächstes Etappenziel ist Schloss Moyland in Bedburg-Hau. Das Wasserschloss hat seine Ursprünge im 14. Jahrhundert und erhielt rund 500 Jahre später ein neogotisches Erscheinungsbild.

Wasserschloss Schloss Moyland in Bedburg-Hau
Tourismus NRW/ Johannes Höhn

Heute beherbergt es die Kunstsammlung der Brüder Hans und Franz Josef von der Grinten, die mehr als 5.000 Werke aus dem Atelier von Joseph Beuys umfasst. Es ist die weltweit größte Sammlung mit Arbeiten des rheinischen Superstars, dessen Einfluss zu Lebzeiten allenfalls von Andy Warhol übertroffen wurde. Auch befindet sich hier das Beuys-Archiv mit einem Bestand von mehr als 200.000 Dokumenten, das die Düsseldorfer Kunstakademie betreut. 

Weiter rheinaufwärts in Duisburg hat Wilhelm Lehmbruck gelebt. Dem Bildhauer (1881–1919) ist in seiner Heimatstadt ein Museum gewidmet. Eine Ausstellung mit dem Titel „Alles ist Skulptur“ untersucht ab dem 26. Juni, welchen Einfluss Lehmbruck auf Beuys ausgeübt hat. 

Geburtshaus von Joseph Beuys in Krefeld

Weiter geht es nach Krefeld, wo Beuys geboren wurde, ehe es seine Eltern nach Kleve verschlagen hat. Das örtliche Kaiser Wilhelm Museum ist zugleich der einzige Ort in ganz Deutschland, wo eine von Beuys entworfene Rauminstallation zu sehen ist. Auch dieses Haus widmet dem Künstler anlässlich des 100. Geburtstags eine gesonderte Ausstellung unter dem Titel „Kunst = Mensch. Joseph Beuys in Krefeld”. Gleich um die Ecke befindet sich am Alexanderplatz 5 das Geburtshaus des Künstlers. 

Eingang Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld
Tourismus NRW/ Johannes Höhn

Nach einem Schlenker in Richtung Mönchengladbach gelangen die Radler zur nächsten prominenten Wirkungsstätte. Hier feierte Beuys mit einer Solo-Ausstellung einen ersten großen Erfolg. Auch ist er am Johann-Peter-Boelling-Platz immer noch auf einem riesigen Wandgemälde präsent. Es zeigt den Innovator in bekanntem Ornat: Mit Anglerweste und einer Zigarette im Mund.

Weiter geht der Parcours in Richtung Neuss, wo sich die Insel Hombroich ausbreitet. Der Name ist in mehrfacher Hinsicht irreführend, handelt es sich doch keineswegs um ein museales Eiland, sondern um einen Freiraum mitten in der Natur mit hochwertigen Kultureinrichtungen. Allen voran sind die Langen Foundation in einem spektakulären Bau von Tadao Ando und die Raketenstation als architektonischer Skulpturenpark zu nennen. Hier hatte mit Anatol Herzfeld der Meisterschüler von Beuys sein Atelier in einer ehemaligen Scheune.

Atelier von Anatol Herzfeld und Joseph Beuys auf der Museumsinsel Hombroich
Tourismus NRW/ Johannes Höhn

Wirkungsstätte Düsseldorf

Zur Landeshauptstadt Düsseldorf hatte Joseph Beuys die stärksten Bande. So befindet sich im noblen Vorort Oberkassel am Drakeplatz 4 das frühere Wohnatelier von Beuys. Auch hat er hier an der Kunstakademie die Bildhauerei erlernt, ehe er dort als Dozent gewirkt hat. Legendär sind seine Dialoge mit Schülern, welche seine Einsicht zum Thema hatten, das freiheitliche Potential der Kunst auf jeden Bereich des Lebens zu übertragen.

In den Kneipen „Ohme Jupp“ und „Zur Uel“ hat sich Beuys mit Studenten und Künstlern aus der Düsseldorfer Szene über Politik ausgetauscht. Im Kirchturm des nahen Meerbusch-Büderich schließlich befindet sich zudem das größte erhaltene Beuys-Werk, das im öffentlichen Raum ausgestellt ist. 

Beuys-Kopf in Meerbusch bei Düsseldorf
Tourismus NRW/ Johannes Höhn

Missverständnis in Leverkusen

Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum großen Finale in Leverkusen. Das dortige Schloss Morsbroich war Schauplatz der wohl bekanntesten Anekdote über Joseph Beuys und die Irrungen und Wirrungen um sein Oeuvre.

So hatten die örtlichen Sozialdemokraten am 3. November 1973 einen Teil des Ausstellungshauses für eine kleine Feier angemietet. Weil einige Stühle fehlten, ließen sich zwei Damen vom Hausmeister den Magazinraum aufschließen. Hier fanden sie neben einigen Sitzgelegenheiten auch eine alte Badewanne, die mit Mullbinden, Pflastern und Fett übersäht war. Nicht ahnend, dass es sich um eine Installation handelte, trugen sie das gesamte Ensemble in den Festraum. Hier säuberten sie alles – und die Badewanne wurde zum Spülen von Gläsern benutzt. Auf diese Weise zerstörten sie Beuys-Original, das schon damals 80 000 D-Mark wert war. 

Museum Morsbroich in Leverkusen
Tourismus NRW/ Johannes Höhn

Schöner kann man Werk und Rezeption des Erneuers aus Kleve nicht zusammenfassen. Versteht sich, dass sich auch Schloss Morsbroich nicht nehmen lässt, mit einer Sonderausstellung an den Künstler zu erinnern. Thema: „Der Katalysator: Joseph Beuys und Demokratie heute“.  

Mehr Informationen über die Beuys & Bike-Route

Auf der Webseite von Niederrhein-Tourismus befinden sich ziemlich vollständige Informationen zur Beuys & Bike-Route. Wer mag, kann hier auch individuelle Pauschalreisen zum Thema „Auf den Spuren des Joseph Beuys am Niederrhein“ buchen. Diese sind ab 689 Euro zu haben und beinhalten neben sieben Übernachtungen und allen Eintrittskarten zu den Attraktionen auch den Gepäcktransport.

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