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Außenfassade des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund
DFM/ Angerer

Das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund

Deutschland ist eine unumstrittene Fußballnation. Gemeinsam mit Ländern wie Brasilien, Italien und England gehört „Die Mannschaft“ bei Weltmeisterschaften zu den Favoriten, ohne dass der aktuellen Aufstellung dabei eine größere Rolle zukäme. Auch der Vereinsfußball floriert. Beste Voraussetzungen also für ein Deutsches Fußballmuseum.

Das Ruhrgebiet ist das Herzland von Fußballdeutschland. Mit Borussia Dortmund, Schalke 04, dem MSV Duisburg, VfL Bochum, Rot-Weiß Essen sind gleich fünf aktuelle oder ehemalige Bundesligisten hier aktiv. Und die Fans leben mit: Der Signal-Iduna-Park in Dortmund fasst 81.365 Zuschauer, die Veltins Arena in Gelsenkirchen bringt es auf eine Kapazität von 62.271 Fans. 

Veltins-Arena in Gelsenkirchen. Heimspiel des Schalke 04
Dominik Kuhn

Wenn Spiele auf dem Kalender stehen, sind die Arenen fast immer ausverkauft. Und anders als zum Beispiel in England, ist der Bundesliga-Fußball auch für Leute bezahlbar, die kein Managergehalt beziehen: Tickets für Stehplätze kosten um die 15 Euro, ein halber Liter Bier zwischen 4 und 5 Euro. Die Anreise per ÖPNV innerhalb des Verkehrsverbunds ist oft im Preis inbegriffen. 

Der Pott ist erste Wahl 

So ist es kein Wunder, dass der Fußball für viele Fans im strukturschwachen und recht armen Ruhrgebiet eine Art Lebensinhalt ist. Als Standort für ein Deutsches Fußballmuseum kam denn für den Deutschen Fußballbund (DFB) nur der „Pott“ in Frage. Die Wahl fiel auf Dortmund, wo das Haus im Oktober 2015 eröffnet hat. 

Auslosung im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund
DFM/ Schütze

Die Ausstellung ist unterteilt in eine Erste und eine Zweite Halbzeit, die sich in dieser Reihenfolge mit der Fußballnationalmannschaft und der Bundesliga befassen. Kleinere Seitenflügel nehmen außerdem den an Bedeutung rasant wachsenden Damenfußball, die DDR-Zeit oder der Ballsport in Zeiten des Krieges unter die Lupe. 

Die „Helden von Bern“

Zu den Topstücken gehört der Elfmeterpunkt, von dem Andreas Brehme 1990 das Endspiel der Weltmeisterschaft gegen Argentinien erzielt hat. Dieser ruht natürlich auf dem Originalrasen. Von vergleichbarem historischen Wert ist der in Neonfarben gehaltene Schuh, mit dem Mario Götze den einzigen Treffer im Endspiel der Weltmeisterschaft 2014 markiert hat. Die unumstritten meiste Aufmerksamkeit aber zieht der Ball des Finales von 1954 auf sich, als die „Helden von Bern“ den so arg geplagten Menschen des Landes neue Hoffnung auf eine bessere Zukunft verliehen haben. 

Multimedia-Installation im Fußballmuseum in Dortmund
DFM/ Angerer

Neben den Exponaten, welche die Aura großer Momente für die Nachwelt konservieren, greift das Museum auch auf moderne Hilfsmittel zurück. Dazu gehören Multimediastationen und ein 3D-Kino. Bekannt emotional ist auch die Bundesligakonferenz im Radio, deren Intensität manche Fans immer noch dem Bewegtbild vorziehen. Natürlich sind im Museum Ausschnitte von Legenden wie Manni Breuckmann zu hören. 

Die ewige Tabelle

Für die Zweite Halbzeit können sich die Fans mit einem Rückblick auf den Vereinsfußball in der Zeit vor der Bundesliga warmlaufen. Es folgen Porträts ruhmreicher Spieler- und Trainerpersönlichkeiten und ein Blick auf die ewige Tabelle der 1963 gegründeten Tabelle. Geht es nach dem Willen des FC Bayern München, wird diese bis in alle Ewigkeit vom Rekordmeister angeführt. Dessen Serienmeisterschaften und die damit einhergehende Langeweile aber sind zugleich die wohl größte Schwachstelle des deutschen Fußballs. 

Hall of Fame 

Bei der Eröffnung übrigens hielt sich die Begeisterung der Medien über das Ausstellungshaus in Grenzen. Einige Kritiker bemängelten die geringe Anzahl aussagekräftiger Exponate. Anderen fehlte die gesellschaftspolitische Einordnung des Volkssports. An beiden Punkten der Mängelliste haben die Kuratoren seitdem gearbeitet. Neu zum Beispiel ist eine Hall of Fame. Diese nimmt nach amerikanischem Vorbild Jahr für Jahre Stars auf, die auf eine große Karriere zurückblicken. 2020 waren das Berti Vogts, Klaus Fischer, Andreas Möller, Michael Ballack und Rudi „Tante Käthe“ Völler.

Fehlen nur noch Wechselausstellungen, die weniger bequeme Themen aufgreifen. Doping im Fußball wäre so etwas. Auch die Rolle als Breitensport ist immer noch unterrepräsentiert. Vielleicht eine Idee für eine neue Abteilung, die den Titel „Verlängerung“ tragen könnte.  

Deutsches Fußballmuseum
Königswall | 44137 Dortmund
Di–Fr 11 bis 17 Uhr | Sa, So 10 bis 17 Uhr
Eintritt 17/14 Euro, online 15/12
www.fussballmuseum.de

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